Die Burgunderfamilie im Überblick: Herkunft, Vielfalt und Bedeutung in Deutschland
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Jochen Mössner
- MAGAZIN
- 09.03.2026
Kaum eine Rebsortenfamilie prägt den internationalen Qualitätsweinbau so nachhaltig wie die Burgunder. Ausgehend vom französischen Burgund hat sich die genetisch eng verwandte Pinot-Familie weltweit verbreitet. In Deutschland zählen Burgundersorten heute zu den wichtigsten Trägern des Qualitätsweinbaus – sowohl im weißen als auch im roten Bereich. Neben den bekannten Klassikern Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder gewinnen auch Spezialitäten wie Auxerrois, Frühburgunder oder Schwarzriesling zunehmend an Aufmerksamkeit.
Die weißen Burgunder: Eleganz und Vielseitigkeit
Auxerrois – weich und zugänglich
Auxerrois ist eine natürliche Kreuzung aus Pinot und Heunisch und zeichnet sich durch frühe Reife und moderate Säure aus.
Profil
Mild, weich und harmonisch
Aromen von Birne, Melone und gelbem Apfel
Häufig cremige Textur
Vor allem in Baden, der Pfalz und an der Mosel etabliert sich Auxerrois zunehmend als eigenständige Qualitätssorte.
Weißburgunder (Pinot Blanc) – der vielseitige Klassiker
Weißburgunder steht für feine Struktur und große stilistische Bandbreite.
Profil
Frische, elegante Säure
Aromen von Apfel, Zitrus und Nuss
Vom Sommerwein bis zum komplexen Barrique-Wein
Grauburgunder (Pinot Gris) – kraftvoll und beliebt
Als Mutation des Spätburgunders liefert Grauburgunder körperreiche, vielseitige Weine.
Profil
Mittlere bis kräftige Struktur
Aromen von reifer Birne, Quitte, Nuss
Stilistisch von frisch bis opulent
Chardonnay – internationales Format mit Terroircharakter
Chardonnay hat sich in Deutschland als Premiumsorte etabliert, besonders auf kalkreichen Böden.
Profil
Zitrus- und Apfelaromen bis hin zu exotischen Noten
Bei Holz- und Hefelagerung: Brioche, Vanille, Butter
Großes Reifepotenzial
Die roten Burgunder: Finesse, Struktur und Herkunft
Spätburgunder (Pinot Noir) – das Aushängeschild
Spätburgunder ist Deutschlands wichtigste Rotweinsorte und international anerkannt.
Profil
Feine Tannine, elegante Säure
Aromen von Kirsche, Himbeere, Erdbeere
Komplex, lagerfähig, terroirgeprägt
Frühburgunder – die rare Spezialität
Frühburgunder ist eine früh reifende Mutation des Spätburgunders und deutlich seltener.
Profil
Dichter, farbintensiver als Spätburgunder
Aromen von dunklen Beeren, Pflaume und Gewürzen
Weiche Tannine, früher zugänglich
Besonders an der Ahr und in Rheinhessen gepflegt.
Schwarzriesling (Pinot Meunier) – der unterschätzte Burgunder
Pinot Meunier, in Deutschland Schwarzriesling genannt, ist eine Mutation des Spätburgunders und bekannt als Champagner-Rebsorte.
Profil
Fruchtbetont und weich
Aromen von Kirsche, roten Beeren und Pflaume
Weniger tanninreich, früh trinkreif
In Württemberg besonders verbreitet, zunehmend auch für hochwertige Sekte genutzt.
Die Burgundersorten stehen heute für den qualitativen Aufstieg vieler deutscher Weinregionen. Ihre gemeinsame genetische Herkunft verbindet sie, doch ihre stilistische Vielfalt reicht von frisch und filigran bis kraftvoll und komplex. Mit wachsender Erfahrung im Umgang mit Standort, Ertragsmanagement und Holzfassausbau entstehen zunehmend charakterstarke Herkunftsweine, die international Beachtung finden.