Die Wiege des Weinbaus
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Jochen Mössner
- MAGAZIN
- 05.04.2024
Georgien, die Wiege des Weinbaus?
Östlich vom schwarzen Meer gelegen befindet sich Georgien, welches nach neuestem Stand der Forschungen die Wiege des Weinbaus ist. 2017 entdeckten amerikanische Forscher, etwa 50 Kilometer südlich von Tiflis, Reste von Weinsäure und andere typische Weinsubstanzen auf Tonscherben. Bei genaueren Untersuchungen konnte man ein Alter von rund 8000 Jahren nachweisen.
Weinbau in Georgien
Bis in die 1980er Jahre verfügte Georgien über rund 125.000 Hektar Rebfläche, im Vergleich dazu umfasst Deutschland etwas mehr als 100.000 Hektar. Zwei Faktoren waren für das schrumpfen auf rund 60.000 Hektar verantwortlich.
Zum einen die Anti-Alkoholkampagne von Michail Gorbatschow zwischen 1985 und 1991 und die Abspaltung von Russland am 9 April 1991, welche bis dato der größte Abnehmer von georgischem Wein war. Zeitweise gab es in Russland sogar ein Einfuhrverbot für georgische Weine, welche angeblich mit Schadstoffen verunreinigt gewesen sein sollten.
Weinbauregionen
Georgien verfügt über rund 24 geschützte Herkunftsbezeichnungen (PDO), davon befinden sich 18 in Kachetien. Somit ist Kachetien die wichtigste Weinbauregion mit fast 2 Dritteln der Gesamtanbaufläche des Landes. Hier im Osten Georgiens, an den südlichen Ausläufern des Kaukasus finden wir die Reben an den Ufern des Flusses Alazani. Die Böden sind hier sehr stark von Sand, Lehm, Kalk und Eisen geprägt. In Verbindung mit dem kontinentalen Klima findet man hier hervorragende Weinbaubedingungen vor.
Die wichtigsten Rebsorten
Georgische Winzer pflegen eine Vielzahl von einheimischen Rebsorten, darunter Saperavi, Rkatsiteli, Kisi, und Mtsvane. Durch Investitionen westlicher Konzerne werden inwzischen jedoch auch internationale Rebsorten angebaut wie Cabernet Sauvignon und Pinot Blanc.
Die traditionelle Weinbereitung
Georgien ist bekannt für seine einzigartigen Weinbautechniken, wie beispielsweise die Verwendung von Qvevri, großen Tonamphoren, die in die Erde eingegraben sind und zur Fermentation und Lagerung von Wein verwendet werden.
Die Weinbereitung im Detail
Nach der Ernte gelangen die frisch gelesenen Trauben in den Marani, einen traditionellen Weinbereitungsraum in Georgien. Der Marani ist bekannt für seine im Boden eingelassenen Qvevri, große Tonamphoren, die zur Fermentation und Lagerung des Weins dienen.
In Vorbereitung auf die Weinherstellung werden die Trauben entweder gepresst oder traditionell in einer langen Wanne, dem Saznacheli oder Satsnakheli, mit den bloßen Füßen zerstampft.
Der gewonnene Traubensaft, auch bekannt als Most, wird dann in einen Qvevri gefüllt, zusammen mit der Maische, den Traubenschalen und Stielen. Die Gärung erfolgt ausschließlich durch die natürlichen Hefen, die auf den Trauben vorhanden sind.
Sobald die Gärung abgeschlossen ist, wird der Wein aus dem ersten Qvevri abgelassen und in einen neuen, kleineren Qvevri umgefüllt. Dieser Prozess wird über einen längeren Zeitraum mehrmals wiederholt, um den Wein nach und nach von der Maische zu trennen, die sich am unteren Ende der Qvevri absetzt.
Was erwartet mich im Glas?
Der traditionelle Ausbau und die autochthonen Rebsorten bringen einen ganz eigenen Weinstil und Geschmack mit sich. Mit georgischen Weinen im Glas kann man auf wunderbare Art und Weise in neue Geschmackswelten eintauchen. Die Weissweine leben in der Regel von einer feinen Säure, einer schönen Gerbstoffstruktur und einer feinfruchtigen Art. Die Rotweine sind in einer eher rustikaleren Ecke anzusiedeln, welche aber jedoch mit den typischen Gerichten Georgiens, wie z.B. Abkhazura oder Ojakhuri, eine wunderbare Harmonie eingehen.