Im Gespräch mit Marius Meyer - Weingut Klaus Meyer
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Jochen Mössner
- MAGAZIN
- 05.03.2026
Lieber Marius, schön, dass du dir Zeit für dieses Gespräch nimmst. Bevor wir über Wein, Herkunft und Handschrift sprechen, lohnt sich ein Blick zurück: Das Jahr 1987 markiert in deiner Familie gleich zwei bedeutende Meilensteine – die Gründung des Weinguts Klaus Meyer durch deinen Vater und zugleich das Jahr deiner Geburt. Inzwischen bist du Teil des Weinguts und gestaltest den Stil der Weine maßgeblich mit. Dass sich dieser Weg einmal so entwickeln würde, war vor 1987 kaum absehbar – schließlich entstammt dein Vater keiner klassischen Weingutsdynastie. Dein Großvater hatte 3 bis 4 Hektar Rebfläche, die er ja aber nicht selbst vermarktete. Was war der Auslöser dafür, dass er dennoch den Weg zur Gründung eines eigenen Weinguts einschlug?
Hallo Jochen,
mein Vater stammt aus dem westlichen Teil der Pfalz, die bis in seiner Jugend für das Schuhhandwerk bekannt war. Ich denke die erste Berührung kam durch seinen Vater, der schon immer von der „Vorderpfalz“ und dem Wein und den Nebeneffekten (Weinfeste, Landschaft, usw.) begeistert war.
Der zweite Punkt der Ihn zum Wein führte war der Fußball, da spielte er auch schon an der Weinstraße und kam mit Winzern in Kontakt.
Das meine Mutter, dann Weinberge hatte spielte ihm in die Karten. Der Ausschlaggebende Punkt war dann letztendlich das Heimat- und Blütenfest an Pfingsten bei uns in der Theresienstraße. Hier wollten meine Eltern teilnehmen und dafür brauchten Sie ja Wein.
Du hast 2004 deine Winzerlehre begonnen und diese bei renommierten Betrieben wie dem Weingut Bernhard Koch, dem Weingut Argus sowie dem Weingut Rebholz absolviert. Im Anschluss folgten die Weiterbildungen zum Wirtschafter und Weinbautechniker. Prägende Auslandsstationen führten dich außerdem zum Weingut Jurtschitsch nach Österreich, zu François Legros ins Burgund sowie zum Weingut Johner nach Neuseeland. 2007 wurdest du zudem als bester Jungwinzer ausgezeichnet. Das ist eine beeindruckende Vita. War für dich von Anfang an klar, dass dein Weg in den Weinbau führen würde – oder gab es während einer dieser Stationen einen bestimmten Moment, in dem es endgültig „Klick“ gemacht hat?
Klar war es bis ich bei Bernhard Koch anfing nie. Im Gegenteil! Unser Betrieb war damals eigentlich zu klein und weit weg von dem was Stand der Dinge in Bezug auf Ausstattung war. Für mich und meine Eltern war eigentlich klar, dass ich den Betrieb nicht übernehme und Sie ihn mit der Weinstube auslaufen lassen. Ich hatte sogar schon einen Ausbildungsvertrag auf der Bank unterschrieben. Warum auch immer machte ich dann im Frühjahr ein Praktikum bei Bernhard Koch und ich war fasziniert, damals schon ein Betrieb mit über 40 ha. Top ausgestattet, klare Struktur und Hierarchie. Ich war begeistert und überzeugt. Klick hat es quasi dann ein Jahr vorher schon gemacht. In den einzelnen Stationen machte es aber noch öfters Klick. Am meisten in Burgund. Da klickte es quasi täglich. War eine wunderbare Zeit.
"Tradition schreiben, Herkunft spüren und Handwerk perfektionieren" sind die drei Säulen deiner Arbeit. Kannst du in wenigen Sätzen erläutern, was du persönlich mit diesen Begriffen verbindest?
Da wir ja quasi was den Qualitätsweinbau angeht Traditionslos sind und der Weinbau und seine Stars am Markt in Punkto Qualität alle durch Tradition argumentieren und Märkte aufgrund von Traditionen bedienen, ist es mir und meiner Frau wichtig diese Tradition zu starten. Ob diese dann durch unsere Kinder einmal weitergeführt wird werden wir sehen. Herkunft spüren ist deutlich einfacher. Wir leben und arbeiten in der Südpfalz. Hier zeichnet die Betriebe schon immer einen größeren Rebsortenspiegel aus, als in anderen Teilen der Welt wo Wein angebaut wird. Diese interpretieren wir alle in Kombination mit den guten und vielfältigen Böden. Wichtig ist uns Trinkspaß und Trinkfluß. Dies geht schon quasi in Handwerk perfektionieren über, wir wollen immer besser werden.
Haben in den letzten Jahren mehr als 20 ha neu gepflanzt, mit noch besseren Klonen und den passenden Rebsorten für die jeweiligen Standorte. Haben uns mit über 10 ha nochmal weiter nach Süden bis kurz vor Landau ausgedehnt, da wir da noch bessere Kalklagen bekommen haben und haben auch unser Team mit guten Jungs erweitert, die Lust auf gute Weine haben! (Zu trinken und zu machen …)
Mit knapp 50 Hektar Rebfläche seid ihr längst kein kleiner Betrieb mehr. Der Jahrgang 2025 war ausgesprochen speziell: Aus nahezu allen deutschen Anbaugebieten war zu hören, dass viele Rebsorten innerhalb einer einzigen Woche reif wurden. Das klingt bei eurer Betriebsgröße nach einer enormen logistischen wie auch körperlichen Herausforderung. Wie hast du diese Phase erlebt?
Mit wenig Schlaf. Ne Spaß beiseite. Uns war in dem Wachstum der letzten Jahr, wo wir die Fläche und die zu verarbeitende Menge an Trauben verdreifacht haben immer bewusst, dass dies nur mit guten Mitarbeitern und einer guten Ausstattung im Keller geht.
Den in alldem Wachstum würde ich sagen, dass wir auch in der Qualität gewachsen sind. Wir hatten 21 Lesetage. Jetzt wissen wir auch wie schnell wir sein können. Aber einmal reicht mir die Erfahrung auch. Aber es hat sich die letzten Jahre ja schon abgezeichnet, dass es keine Jahrgänge mehr gibt, wo man nach und nach Rebsorte für Rebsorte erntet. So war es in meiner Ausbildung noch, aber jetzt muss einfach viel parallel laufen um in den einzelnen Rebsorten und den einzelnen Kategorien den perfekten Erntezeitpunkt zu treffen und dann muss man auch konsequent sein. In 2025 haben wir keinen Sektgrundwein gemacht.
Wie schätzt du die Qualität der 2025er Weine insgesamt ein – und wo liegen aus deiner Sicht die besonderen Stärken dieses Jahrgangs?
Ich halte 2025 für einen sehr guten Jahrgang, wie groß er mal wirklich wird, dass würde ich dir gerne in 2 – 3 Jahren beantworten.
Die Frucht und die reife der Aromatik ist für mich das Beste, was wir bisher in diesem Jahrzehnt geerntet haben. Hinzu kommt, dass uns trotz der Reife am Stock die Säure nicht abgeschmiert ist und nicht grün und nicht sauer aber präsent die Aromatik und die Reife der Weine stützt. Die Stärke sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt schon einmal in der Basis. Die Weine machen richtig Spaß, sind saftig und haben trotzdem Stil und Anspruch.
Die Pfalz gliedert sich bekanntlich in zwei Weinbaubereiche: die Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße im Norden und die Südliche Weinstraße im Süden. Rhodt unter Rietburg liegt in der Südpfalz, die lange Zeit als weniger prestigeträchtig galt. Traditionell kamen aus der Mittelhaardt eher die filigraneren, klar gezeichneten Rieslinge sowie elegante, saftige Spätburgunder. Doch auch dort macht sich der Klimawandel zunehmend bemerkbar. Viele Betriebe reagieren inzwischen mit der Hinwendung zu später reifenden oder internationaleren Rebsorten, die Hitze und Trockenperioden besser verkraften. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Haben sich die Voraussetzungen der beiden Bereiche nicht inzwischen weitgehend angeglichen – und sind Nord- und Südpfalz heute nicht mindestens gleich stark aufgestellt?
Der Klimawandel, das Wissen und der Ehrgeiz der Südpfälzer Generation vor mir haben die Waage ziemlich ins Gleichgewicht gebracht. Es waren einige Personen beteiligt, welche in den letzten 30 – 40 Jahren hier im südlichen Teil eine gute Dynamik erzeugt haben, auch durch gelerntes Wissen von der Mittelhaardt.
Bei meiner Generation gibt es auch dieses Denken in zwei Bereichen nicht mehr so stark. Wir sind eine Region, eine Pfalz die in den letzten Jahren durch gute Winzer viel richtig gemacht hat und sich International einen Namen für gute Weine zu einem fairen Preis gemacht hat.
Ich bin ein großer Spätburgunder-Fan und schätze die Stilistik deiner Weine sehr. Vom Gutswein über die Ortsweine bis hin zu den Lagenweinen zeigen sie eine bemerkenswerte Kraft, die jedoch nie schwerfällig wirkt, sondern stets von einer enormen Saftigkeit und inneren Spannung getragen wird. Der Spätburgunder reagiert sensibel auf Hitze und Reifeverläufe. Welche klimabedingten Veränderungen beobachtest du beim Spätburgunder in den letzten Jahren – und wo siehst du daraus konkret Handlungsbedarf im Weinberg, etwa bei Laubarbeit, Unterlagenwahl oder dem Lesezeitpunkt?
Danke!
Ich hatte das große Glück in Burgund die Grand Jour de Bourgogne während meines Praktikums miterleben zu dürfen. Damals habe ich die Dimension eigentlich gar nicht richtig einschätzen können, jedoch merkte ich das die Weine aus Gevrey Chambertin mir am besten gefielen. Über die Jahre verkostete ich mehr und war immer mehr angefixt von den dunklen Pinots die Kraft hatten. Die Burgunder waren aber nie schwer und holzig, immer kräftig und fein. Das macht die Faszination Spätburgunder einfach aus. Schnell war klar ich will das hier auch machen und man merkte in der Pfalz eine Aufbruchstimmung!
Bei uns im Betrieb war der große Unterschied, als wir Klone aus dem Burgund pflanzten. Dies war für mich der Gamechanger! Angefangen hat alles mit einer Parzelle im Mandelhang mit Klon 777, mittlerweile haben wir knapp 3 ha verschiedene Selectionen alle aus dem Burgund. Und hier ist auch der Unterschied mit dem wir die Klimaveränderungen gut meistern können. Unsere alten Parzellen, hatten immer zu hohe Erträge und zu hohe Trauben bzw. Beerengewichte. Das bedeutete wir musste stark eingreifen. Trauben halbieren, da verloren wir die Spitze mit Säure und Frische. Gestaffelte Lese, Vorlese Sektgrundwein dann Rotwein im zweiten Durchgang. Da verloren wir aber Reife und hatten zum Teil zu wenig Abstand, dass dies Aufging.
Mit den Klonen aus dem Burgund ist es anders, die Trauben sind nie größer wie meine Handfläche (und ich habe relativ kleine Hände), die Beeren sind immer klein und dadurch das Verhältnis von Schale zu Most recht hoch, was eine gute Farbkonzentration erzeugt. Nun machen wir es mittlerweile auch schon mehr als 5 Jahrgänge auf einem hohen Niveau und haben uns einen guten Stock an Barriques aufgebaut, dass wir auch mit dem Holzeinsatz etwas spielen können.
Man merkte es in dem für Spätburgunder schwierigen Jahr 2023. Als die deutschen Reben mit großen, kompakten Trauben schon massiv anfingen Botrytis zu bekommen, reiften die kleinen Beeren noch 3 bis 5 Tage länger aus und dies war der Unterschied. Wir haben da noch einiges vor und sind auch was das Thema Spätburgunder angeht immer mit einigen Kollegen im Austausch um noch besser zu werden. Es ist manchmal mehr ein Hobby als eine fundierte, betriebswirtschaftlich Unternehmersicht. Aber es ist einfach eine Faszination und eine Leidenschaft, das gibt es aus meiner Sicht bei keiner anderen Rebsorte außer beim Spätburgunder und das nicht nur in Deutschland oder der Pfalz. Beim Austausch unter Kollegen egal ob aus der Pfalz oder Kalifornien oder sonst woher, beim Pinot werden die Diskussionen intensiver und die Augen leuchten bei großen Weinen mehr.
Wenn man heute durch deine Weinberge geht, stößt man auf Rebsorten wie Viognier, Chenin Blanc, Syrah, Merlot oder Cabernet – also auf viele spätreifende, internationale Sorten. Ist diese Entwicklung vor allem eine bewusste Reaktion auf den Klimawandel und die veränderten Bedingungen im Weinbau, oder spielt auch deine Neugier und Lust auf Neues eine Rolle?
60% Neugier und 40% Klimawandel und Marktsituation, würde ich mal spontan aus dem Bauch heraus sagen.
Wir haben mit den Internationalen Rebsorten einen guten Erfolg. Die Rebsorten sind meistens sehr dankbar, den mit einer ordentlichen Arbeit und mit einem reduzierten Ertrag bekommt man oft einen guten Wein. Deswegen sind es ja auch die Global Player die es eigentlich in jeder Weinregion auch gibt. Ich wollte im Premiumbereich neben Spätburgunder bei den Rotweinen noch Alternativen und so sind wir auf die Bordeauxrebsorten gekommen und auf Syrah, da gerade diese Rebsorte auch hier in der Pfalz von einigen Betrieben schon sehr gelungen vinifiziert wurde. Mittlerweile haben wir auch schon 20 Jahre diese Rebsorten und Sie sind am Markt akzeptiert und wir können auch die Leute abholen, welche leider eine gewisse Abneigung gegen deutsche Rotweine haben. Durch den Klimawandel sind wir die letzten Jahre noch weiter südlich von der Herkunft gerückt und so wird es in diesem Jahr das erste Mal einen Tempranillo und in den nächsten Jahren noch Sangiovese und Nebbiolo geben.
Die Experimente machen uns viel Spaß und die Rebsorten reifen dann doch später aus und wir können in aller Ruhe die Spätburgunder in die Fässer legen und uns im Anschluss um die Internationalen Rebsorten kümmern.
Bei den weißen verfolgen wir noch eine andere Strategie. Hier habe ich immer noch den Gedanken eine große weiße Cuvée zu kreieren. Die im Premiumbereich neben unseren Lagenweine steht. Dafür sind die Reben aber noch zu jung und solange bauen wir Sie rebsortenrein aus. Was auch gut ankommt und gerade bei Präsentationen oft eine Abwechselung gegenüber den großen Traditionsbetrieben darstellt, die doch eher die klassischen Rebsorten anbieten.
Wie stehst du persönlich zu PIWIs? Viele Winzer sehen in pilzwiderstandsfähigen Rebsorten – gerade im Kontext von Klimawandel und ökologischem Weinbau – einen möglichen Lösungsansatz.
Wir haben einen ganz kleinen Anteil von unter 0.5 ha im Betrieb. Wir verwenden die Piwis aktuell ausschließlich für unseren Traubensecco und für unseren normalen Secco. Vom Stil der Weine sind wir ja eher etwas international, frankophil angehaucht. Niedriger Restzucker, Ausbau im Holz usw. Piwis haben oft eine sehr dominante Frucht die manchmal fast aufdringlich wirkt. Dies passt zu unserem Verständnis von Wein nicht immer so ganz. Wir wollen Speißebegleiter erzeugen, welche man auch im Anschluss gut weitertrinken kann. Weine die nicht fordern aber nicht aufdringlich sind und dies klappt mit den Traditionellen Rebsorten, egal aus welcher Region sie kommen definitiv besser.
Wenn du zum Abschluss nach vorne blickst: Worauf freust du dich in den kommenden Jahren im Weingut ganz besonders?
Wir haben in den letzten Jahren extrem viel neu gepflanzt und haben in den nächsten 5 Jahren noch ca. 10 ha zum Neuanlegen und dann freue ich mich, wenn wir diese Trauben endlich ernten können.
Ich denke da werden wir noch punktueller und noch fokussierter in unseren Weinen und können unseren Stil noch besser prägen und Klaus Meyer als Marke für gute, ehrliche Weine mit einem guten Preis-Genuss – Verhältnis noch vielen Leuten in Deutschland und im Ausland näher bringen. Ansonsten hoffe ich das wir alle Gesund bleiben und so bleiben wie wir sind, bodenständige Winzer. Meine Frau und ich können aktuell mit einem Team zusammenarbeiten mit dem es jeden Tag viel Spaß macht gute Trauben bzw. guten Wein zu erzeugen und können immer auf den Rückhalt unserer Eltern zählen, das ist schön, motiviert und gibt auch einen gewissen Halt und Mut den man in manchen Entscheidungen braucht.
Lieber Marius, vielen Dank für deine Zeit und für das offene, spannende Gespräch.
