Weinlexikon

Lagrein

Lagrein ist die dunkle, kräftige Rotweinsorte Südtirols, bekannt für tiefes Granatrot, Aromen von Kirsche und Bitterschokolade und eine markante Gerbstoffstruktur.

Was ist Lagrein?

Lagrein ist eine rote Rebsorte, die praktisch ausschließlich in Südtirol und im angrenzenden Trentino wächst. Sie ergibt tiefdunkle, kräftige Rotweine mit auffallend fester Struktur und gilt neben dem Vernatsch als die autochthone Sorte des Landes. Der Name geht vermutlich auf die Lagarina zurück, den südlichsten Abschnitt des Etschtals. Gesichert ist diese Herleitung allerdings nicht.

Genetisch ist Lagrein ein Kind des Teroldego. Eine DNA-Untersuchung von Vouillamoz und Grando aus dem Jahr 2006 wies diese Elternschaft nach und zeigte zugleich, dass Lagrein und Marzemino Vollgeschwister sind. Über Teroldego besteht eine entfernte Verwandtschaft zu Syrah und zu Pinot Noir, eine direkte Eltern-Kind-Beziehung zu diesen beiden Sorten gibt es jedoch nicht. Als zweiter Elternteil gilt seit einer Untersuchung von 2010 der Mittervernatsch, also eine Spielart des Vernatsch; das Konsortium Südtirol Wein führt den zweiten Elternteil bis heute vorsichtig als unbekannt. Urkundlich taucht die Sorte 1379 in Tramin als "bonum Lagrinum" auf, ausdrücklich als roter Lagrein dann 1525.

Dunkle Lagrein-Trauben am Rebstock in einem Südtiroler Weinberg
Lagrein-Trauben: dickschalig, dunkel und spät reifend, deshalb auf warme Tallagen angewiesen.

Anbau und die Lage Gries

In Südtirol stehen rund 545 Hektar Lagrein, das sind etwa neun Prozent der Rebfläche des Landes. Weltweit sind es kaum mehr als 850 Hektar, der größte Teil des Rests liegt im Trentino. Kleine Flächen gibt es außerdem in Australien, Kalifornien, Oregon und Kanada. Die Fläche in Südtirol war zwischenzeitlich stark eingebrochen, von 585 Hektar um 1960 auf 253 Hektar Ende der neunziger Jahre, und hat sich seither wieder erholt.

Das Herz des Lagrein liegt im Bozner Talkessel, vor allem im Stadtteil Gries. Dort hat die Talfer über Jahrhunderte leichte, poröse, steinige Böden abgelagert, dazu kommt der Bozner Porphyr. Diese Böden speichern Wärme bis weit in den Herbst hinein, und genau das braucht die spät reifende Sorte, die meist erst Anfang bis Mitte Oktober gelesen wird. Die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Talkessel halten dabei die Säure aufrecht. Weitere Schwerpunkte liegen in Kaltern, Tramin, Eppan und Auer. Die Grieser Weinberge stehen unter Druck, weil die Stadt Bozen wächst und Rebland zu Bauland wird.

Lagrein Dunkel, Kretzer und Riserva

Der klassische Rotwein heißt Lagrein Dunkel, auf Italienisch Lagrein Scuro. Er wird auf der Maische vergoren, bekommt also Farbe und Gerbstoff aus Schalen und Kernen (siehe Maischegärung).

Lagrein Kretzer ist der Rosé. Der Name stammt von der Krätze, einem aus Weiden geflochtenen Korb, durch den der Saft von den Schalen getrennt lief; das Verfahren hieß kretzern. Historisch ist diese helle Machart die ältere, der dunkle Lagrein setzte sich erst später durch. Als Riserva darf ein roter Südtiroler DOC-Wein bezeichnet werden, wenn er mindestens 24 Monate gereift ist. Seit dem Jahrgang 2024 kann außerdem die Lage Gries als eigene Herkunftsangabe auf dem Etikett stehen, sie gehört zu den 86 offiziell anerkannten Südtiroler Lagen.

Glas mit tiefdunklem Lagrein Rotwein vor Südtiroler Weinbergen
Lagrein im Glas: dunkles Granatrot mit violetten Reflexen, dazu Aromen von Kirsche, Veilchen und Kakao.

Geschmack, Speisen und Trinktemperatur

Lagrein zeigt ein dunkles Granatrot mit violetten Reflexen. In der Nase finden sich Kirsche, Brombeere und Veilchen, dazu häufig Bitterschokolade und eine Note von dunklem Brot. Der Wein hat spürbare Säure und eine markante Gerbstoffstruktur (siehe Tannine). Genau daran scheiden sich die Geister: Die Sorte hat den Ruf, grob und bitter auslaufend zu sein. Erfahrene Erzeuger begegnen dem mit kürzerer Maischestandzeit, biologischem Säureabbau, Holzfassausbau und strenger Ertragsbegrenzung, und dann fällt der Gerbstoff feinkörnig statt kantig aus. Der Unterschied liegt also weniger an der Sorte als an der Machart.

Getrunken wird Lagrein bei 16 bis 18 Grad. Er passt zu allem, was kräftig und würzig ist: Speck und Südtiroler Aufschnitt, Wild, Rind, Gulasch und Schmorgerichte, Pilzrisotto und gereifter Bergkäse. Einfache Abfüllungen sind nach wenigen Jahren am Punkt, gute Riserva-Weine halten ein Jahrzehnt und mehr.

  • Typische Aromen: Kirsche, Brombeere, Veilchen, Bitterschokolade, dunkles Brot
  • Hauptanbaugebiet: Südtirol, Schwerpunkt Bozen und der Stadtteil Gries
  • Besonderheit: spät reifend, dickschalig, mit ausgeprägter Gerbstoffstruktur

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