Der Begriff Cuvée stammt aus dem Französischen und bezeichnet einen Wein, der aus mehreren Rebsorten komponiert wird. Anders als oft vermutet, geht es dabei nicht ums Zusammenpanschen, sondern um die Kunst, verschiedene Charaktereigenschaften harmonisch zu vereinen – mit dem Ziel, einen komplexeren Wein zu schaffen.

Was bedeutet Cuvée wirklich?

Weinrechtlich hat der Begriff Cuvée keine feste Definition. Theoretisch könnte ein als Cuvée bezeichneter Wein sogar aus nur einer Rebsorte bestehen. In der Praxis versteht man darunter aber fast immer einen Verschnitt aus mehreren Rebsorten. Das Ziel dieser Komposition ist es, die Stärken verschiedener Trauben zu kombinieren: Eine Rebsorte bringt vielleicht kräftige Tannine mit, eine andere fruchtige Aromen, eine dritte sorgt für eine elegante Säurestruktur. Durch geschicktes Vermählen entsteht ein Wein, der in seiner Gesamtheit mehr ist als die Summe seiner Einzelteile.

Besonders die Rotweine aus dem Bordeaux sind Paradebeispiele für diese Kunst. Dort werden traditionell Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc miteinander vermählt, um Weine mit Tiefe, Struktur und Langlebigkeit zu schaffen. Auch an der südlichen Rhône oder in Portugal findet man herausragende Cuvées, die zeigen, wie unterschiedliche Rebsorten sich gegenseitig ergänzen können.

Weinberge im Bordeaux mit Reben in der Herbstsonne
Die Weinberge des Bordeaux sind berühmt für ihre traditionellen Cuvées aus Cabernet Sauvignon und Merlot.

Warum werden Cuvées hergestellt?

Es gibt zwei Hauptmotive für die Herstellung einer Cuvée. Das erste ist die Konstanz: Viele Winzer möchten ihren Wein von Jahrgang zu Jahrgang möglichst ähnlich schmecken lassen. Da die Traubenqualität je nach Wetter stark schwanken kann, gleichen sie durch das Vermählen verschiedener Rebsorten oder sogar verschiedener Jahrgänge die Unterschiede aus. So bleibt der Stil des Weines auch in schwierigen Jahren erkennbar.

Das zweite Motiv ist die Steigerung der Qualität. Indem man Rebsorten mit unterschiedlichen Eigenschaften kombiniert, kann man einen Wein kreieren, der komplexer, ausgewogener und interessanter ist als ein sortenreiner Wein. Ein Beispiel: Eine säurebetonte Rebsorte wie Riesling kann mit einer vollmundigen Sorte wie Grauburgunder verschnitten werden, um einen Wein mit mehr Körper und gleichzeitig frischer Säure zu erhalten. Die englischsprachige Weinwelt nennt solche Kompositionen übrigens Blend, in Kalifornien spricht man auch von Meritage.

Winzer degustiert verschiedene Rebsorten für eine Cuvée im Keller
Die Kunst der Cuvée liegt im geschickten Kombinieren verschiedener Rebsorten.

Unterschiedliche Bezeichnungen, gleiches Prinzip

Je nach Weinregion und Land gibt es unterschiedliche Begriffe für das Prinzip der Cuvée. In Spanien spricht man von CVC – Conjunto de Varias Cosechas – wenn der Wein aus mehreren Jahrgängen verschnitten wurde. In Deutschland ist der Begriff „Verschnitt“ gebräuchlich, auch wenn er manchmal negativ klingt. Dabei ist das Vermählen von Rebsorten eine jahrhundertealte Tradition, die in vielen der besten Weinregionen der Welt praktiziert wird.

Wichtig zu wissen: Cuvées werden fast immer aus Rebsorten der gleichen Farbe hergestellt. Das heißt, du findest praktisch nur Weißwein-Cuvées und Rotwein-Cuvées, nicht aber Mischungen aus roten und weißen Trauben. Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa manche Schaumweine, bei denen weiße und rote Rebsorten gemeinsam verarbeitet werden können.

Die hohe Kunst der Komposition

Eine gelungene Cuvée zu kreieren, erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Der Winzer muss genau wissen, welche Eigenschaften jede Rebsorte mitbringt und wie sie sich im Zusammenspiel verhalten. Dabei geht es nicht nur um Aromen, sondern auch um Faktoren wie Alkoholgehalt, Säure, Tanninstruktur und Farbe. Ein zu hoher Anteil einer tanninreichen Sorte kann den Wein bitter machen, zu viel Säure lässt ihn unharmonisch wirken.

In der Praxis wird oft in mehreren Schritten verkostet und justiert. Zuerst werden die Grundweine einzeln bewertet, dann in verschiedenen Verhältnissen gemischt und probiert. Erst wenn die perfekte Balance gefunden ist, wird die endgültige Cuvée zusammengestellt. Das erinnert an die Arbeit eines Parfümeurs, der verschiedene Duftnoten zu einem harmonischen Gesamtbild vereint. Das Ziel ist immer dasselbe: Ein Wein, der mehr ist als die Summe seiner Teile.

Tipp: Wenn du Cuvées kennenlernen möchtest, probiere einen klassischen Bordeaux oder einen Wein aus der südlichen Rhône. Diese Regionen haben eine lange Tradition in der Kunst des Vermählens und bieten eine breite Palette an Stilen und Preisklassen.