Rotwein aus dem Piemont

Rotwein aus dem Piemont
Das Piemont liegt im Nordwesten Italiens, zwischen den Alpen und dem Apennin, und hat mehr geschützte Herkünfte als jede andere Region des Landes. Der bekannteste trockene Rotwein von hier ist der Barolo, gemacht aus Nebbiolo. Unter den Weinen erklären wir dir Barolo und Barbaresco, den Unterschied zwischen Barbera und Dolcetto und was die Weißweine der Region können.
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Die Zonen des Piemont
Neunzehn DOCG und einundvierzig DOC, mehr als jede andere italienische Region. Eine IGT gibt es hier gar nicht, über vier Fünftel der Produktion sind Herkunftsweine. Vier Gebiete zählen:
Die Langhe liegen rechts des Tanaro, südlich von Alba, auf Kalkmergel. Hier wachsen Barolo, Barbaresco, Dolcetto und Barbera d'Alba.
Das Roero liegt gegenüber, links des Flusses, auf deutlich sandigeren Böden voller Meeresfossilien. Die Weine öffnen sich früher und wirken floraler.
Das Monferrato zieht sich östlich Richtung Asti und Alessandria. Heimat von Barbera d'Asti, Nizza, Grignolino, Ruchè und Gavi.
Das Alto Piemonte im Norden Richtung Alpen ist die vierte, kleinste Zone mit Gattinara und Ghemme.
Sechs ausgewählte Teilgebiete der Weinbaulandschaft von Langhe, Roero und Monferrato stehen auf der Welterbeliste der UNESCO, darunter die Langa des Barolo und die Hügel des Barbaresco. Nach Rebfläche entfallen rund sechzig Prozent auf rote Sorten, nach Produktionsmenge gut die Hälfte.
Nebbiolo, die Sorte hinter Barolo und Barbaresco
Nebbiolo täuscht im Glas. Er wirkt hell, granatrot, mit orangen Rändern schon in jungen Jahren. Die Kraft steckt nicht in der Farbe, sondern in Tannin und Säure. Die Sorte ist sehr tanninreich und gleichzeitig arm an roten Farbstoffen, deshalb der blasse Ton. Im Duft findest du Rose und Veilchen, Sauerkirsche, Lakritz, Teer, mit dem Alter Leder, Tabak und Trüffel. Woher der Name kommt, ist nicht sicher geklärt. Die beliebteste Deutung führt ihn auf den Nebel zurück, der im Oktober über den Hügeln liegt, wenn die Sorte gelesen wird. Eine zweite verweist auf den wachsigen Schleier auf den reifen Beeren, eine dritte auf das Wort für edel. Belegt ist keine davon.

Barolo
Barolo ist ausschließlich Nebbiolo und kommt aus elf Gemeinden südlich von Alba. Drei davon gehören ganz dazu, Barolo selbst, Castiglione Falletto und Serralunga d'Alba, acht weitere in Teilen, darunter La Morra, Monforte d'Alba und Verduno. Das Regelwerk verlangt achtunddreißig Monate Reife, davon mindestens achtzehn im Holz. Verkauft werden darf er frühestens am ersten Januar des vierten Jahres nach der Ernte. Die Riserva braucht zweiundsechzig Monate und kommt erst im sechsten Jahr in den Handel. Mindestalkohol sind dreizehn Prozent. Ein häufiger Irrtum: Die Riserva muss nicht länger im Holz liegen als ein normaler Barolo, nur insgesamt länger reifen.
Was die Lagenamen auf dem Barolo-Etikett bedeuten
Namen wie Cannubi, Brunate, Bussia oder Monvigliero sind amtlich abgegrenzte Lagen, im Italienischen Menzioni Geografiche Aggiuntive, kurz MGA. Es gibt hundertsiebzig davon, dazu die elf Gemeindenamen, zusammen hunderteinundachtzig. Wichtig zu wissen: Eine Lagenangabe bedeutet rechtlich keine höhere Qualität. Sie sagt, wo der Wein herkommt, nicht wie gut er ist. Anders als in Burgund teilen sich fast immer mehrere Erzeuger eine Lage. Ausnahmen gibt es, einzelne winzige Lagen gehören einem einzigen Gut. Steht zusätzlich das Wort Vigna auf dem Etikett, muss die Lage oder Gemeinde mit angegeben werden, und es gelten strengere Ertragsgrenzen.
Barbaresco
Ebenfalls reiner Nebbiolo, aus vier Gebietseinheiten näher am Tanaro: Barbaresco, Neive, Treiso und ein Ortsteil von Alba. Die Regeln sind milder als beim Barolo, sechsundzwanzig Monate Reife, davon mindestens neun im Holz, zwölfeinhalb Prozent Mindestalkohol. Die Riserva braucht fünfzig Monate. Das Gebiet ist wärmer und einheitlicher als das Barolo-Gebiet, die Trauben reifen früher. Barbaresco gilt deshalb als der zugänglichere, duftigere der beiden, Barolo als der strukturiertere. Das ist Erfahrungswissen, keine Vorschrift, es gibt kräftige Barbaresco und zarte Barolo. Übrigens war Barbaresco die erste italienische Herkunft überhaupt mit amtlich abgegrenzten Lagen, drei Jahre vor Barolo. Sechsundsechzig sind es hier, darunter Asili, Rabajà und Martinenga.
Langhe Nebbiolo, der Einstieg
Wer Nebbiolo kennenlernen will, ohne gleich beim Barolo einzusteigen, greift zum Langhe Nebbiolo. Die Herkunft ist weiter gefasst und schreibt keine Mindestreife vor, mindestens fünfundachtzig Prozent Nebbiolo müssen drin sein. Viele Barolo-Erzeuger bieten daneben einen Langhe Nebbiolo an, teils von jüngeren Reben oder aus Parzellen außerhalb der Barolo-Zone, teils aus zurückgestuften Trauben. Die meisten verstehen ihn nicht als kleinen Barolo, sondern als eigenen Wein: früher trinkbar, weniger Holz, mehr Frucht.
Barbera, der meistangebaute Rote des Piemont
Nicht Nebbiolo, sondern Barbera ist die häufigste rote Sorte der Region, rund ein Viertel bis knapp ein Drittel der Rebfläche gegenüber neun Prozent für Nebbiolo. Barbera lebt von der Säure, nicht vom Tannin. Er ist dunkel in der Farbe, saftig, mit Sauerkirsche und Brombeere, weichem Gerbstoff und einem frischen Zug, der ihn zum Essen so brauchbar macht. Die beiden großen Herkünfte sind Barbera d'Asti aus dem Monferrato und Barbera d'Alba aus den Langhe, darüber steht Nizza als eigene DOCG. Was die drei unterscheidet, was Superiore bedeutet und wie lange sich welcher Barbera hält, findest du ausführlich auf unserer Seite zu Barbera aus Italien.
Dolcetto und die kleineren roten Sorten
Dolcetto ist trotz des Namens trocken. Woher das Süßchen im Namen kommt, ist unklar, vielleicht von den süß schmeckenden Beeren, vielleicht von einer alten Flurbezeichnung. Der Wein ist tiefdunkel, deutlich säureärmer als Barbera, mit spürbarem Tannin, Schwarzkirsche, Brombeere und einer bitteren Mandelnote im Abgang. Er ist auf frühen Genuss angelegt. Neben dem Dolcetto d'Alba gibt es drei eigene DOCG: Dogliani, Diano d'Alba und Ovada.
Grignolino ist hell, fast kirschrot, mit feinem Tannin, viel Säure, Rose, Walderdbeere und weißem Pfeffer. Ein Roter, den man kühlen darf.
Freisa ist eng mit Nebbiolo verwandt und bringt dessen Säure und Tannin mit, dazu Erdbeere und Veilchen. Traditionell leicht perlend und halbsüß, heute zunehmend trocken.
Ruchè di Castagnole Monferrato kommt aus nur sieben Gemeinden und ist aromatisch geprägt, mit floralen und würzigen Noten. Eine echte Nische.
Brachetto d'Acqui ist der süße Schäumer der Region, sehr niedrig im Alkohol, mit Rosen- und Erdbeerduft.
Pelaverga wächst auf winziger Fläche rund um Verduno, am Nordrand des Barolo-Gebiets. Leicht, gekühlt zu trinken, mit einer auffälligen Note von weißem Pfeffer.
Alto Piemonte: Nebbiolo auf Vulkanboden
Im Norden der Region, Richtung Alpen, heißt Nebbiolo Spanna. Ein Teil der Böden liegt auf dem Rest eines uralten Supervulkans, Porphyr statt Kalkmergel, reich an Eisen, Mangan und Quarz. Das gilt für Gattinara und Boca. Lessona wächst auf marinem Sand, Ghemme auf Moränenhügeln. Die Lagen sind höher, die Nächte kühler. Gattinara ist DOCG, mindestens neunzig Prozent Nebbiolo, fünfunddreißig Monate Reife, davon vierundzwanzig im Holz. Insgesamt kürzer als Barolo, im Holz aber deutlich länger. Ghemme ist ebenfalls DOCG, mindestens fünfundachtzig Prozent Nebbiolo, vierunddreißig Monate Reife, davon achtzehn im Holz. Dazu kommen Lessona und Boca als DOC. Anders als der sortenreine Barolo dürfen hier Vespolina und Uva Rara zugesetzt werden. Die Weine wirken straffer, säurebetonter und mineralischer als die aus den Langhe, mit zugänglicherem Tannin.
Die Weißweine des Piemont
Das Piemont ist keine reine Rotweinregion, auch wenn es so wirkt.
Roero Arneis ist der bekannteste. Strohgelb mit grünlichen Reflexen, Pfirsich, Aprikose und weiße Blüten, im Abgang eine feine Mandelnote. Bei zehn bis zwölf Grad servieren. Die Sorte war fast ausgestorben. Gerettet hat sie ein Winzer aus den Langhe, Alfredo Currado vom Weingut Vietti in Castiglione Falletto. Er kaufte den Bauern im Roero jede Traube ab, die sie ihm brachten.
Gavi aus der Sorte Cortese kommt aus dem Südosten der Region, säurebetont und mineralisch, der klassische Piemonteser zu Fisch.
Moscato d'Asti ist leicht perlend und süß, mit nur rund fünf Prozent Alkohol. Der vollschäumende Bruder heißt Asti.
Erbaluce di Caluso aus dem Norden gibt es still, als Schaumwein und als Passito aus getrockneten Trauben.
Timorasso aus den Colli Tortonesi war ebenfalls fast verschwunden. Jung schmeckt er nach Birne und Pfirsich, nach einigen Jahren entwickelt er Feuerstein und Petrolnoten. Ein Weißwein, der zehn Jahre und mehr halten kann.
Die ganze Auswahl findest du in der Weißwein-Übersicht.
Was zu welchem Wein passt
Zu Tajarin mit Butter und weißem Trüffel gehört Barolo, ebenso zum Brasato al Barolo, bei dem derselbe Wein im Topf und im Glas landet. Zu Agnolotti del plin passt Barbaresco, zu gereiftem Castelmagno, Wild und Braten wieder Barolo. Barbera ist der Wein für Fritto misto, weil die Säure durch das Frittierfett schneidet. Dolcetto passt zu Pasta mit Fleischragù und zu Vitello Tonnato. Zwei Klassiker verlangen nicht den großen Roten: Zur Bagna Càuda gehört traditionell ein junger Roter, Barbera, Dolcetto oder Grignolino, wer lieber weiß trinkt, nimmt Arneis oder Gavi. Und zu Vitello Tonnato greifst du besser zu etwas Leichtem als zum Barolo.
Servieren und lagern
Barolo und Barbaresco schmecken bei sechzehn bis achtzehn Grad am besten, also deutlich kühler als heutige Zimmertemperatur. Ein junger Barolo profitiert von ein bis zwei Stunden im Dekanter. Eine sehr alte Flasche behandelst du anders: einen Tag vorher aufrecht stellen, damit sich das Depot setzt, dann vorsichtig umfüllen und gleich probieren. Sehr alte Weine bauen im Glas schnell ab. Zur Lagerfähigkeit: Barolo hält als Richtwert zehn bis zwanzig Jahre, große Jahrgänge deutlich länger. Barbaresco öffnet sich früher, gute Flaschen halten aber ebenfalls fünfzehn Jahre und länger. Ein Barbera Superiore kann zehn Jahre und mehr, ein einfacher Barbera und ein Dolcetto sind für die ersten Jahre gemacht.
Häufige Fragen zu Rotwein aus dem Piemont
Welcher trockene Rotwein kommt aus dem Piemont?
Der bekannteste ist Barolo, gefolgt von Barbaresco. Beide bestehen ausschließlich aus Nebbiolo. Daneben stehen Barbera, Dolcetto, Grignolino, Freisa, Ruchè und Pelaverga sowie Gattinara und Ghemme aus dem Norden der Region.
Was ist der Unterschied zwischen Barolo und Barbaresco?
Beide sind reiner Nebbiolo aus benachbarten Gebieten. Barolo muss achtunddreißig Monate reifen, davon achtzehn im Holz, und braucht dreizehn Prozent Alkohol. Barbaresco kommt mit sechsundzwanzig Monaten, neun davon im Holz, und zwölfeinhalb Prozent aus. Das Barbaresco-Gebiet ist wärmer und einheitlicher, die Weine gelten als früher zugänglich, Barolo als strukturierter und langlebiger.
Welche Farbe hat Nebbiolo?
Hell. Nebbiolo ist sehr tanninreich, aber arm an roten Farbstoffen, deshalb wirkt er im Glas blass granatrot und bekommt schon früh orange Ränder. Wer von der Farbe auf einen leichten Wein schließt, irrt sich: Kraft und Struktur stecken in Tannin und Säure.
Welche Rebsorte wird im Piemont am meisten angebaut?
Barbera, mit rund einem Viertel bis knapp einem Drittel der Rebfläche. Nebbiolo kommt trotz seines Rufs nur auf etwa neun Prozent, deutlich hinter Moscato.
Was bedeuten Namen wie Cannubi oder Bussia auf dem Etikett?
Das sind amtlich abgegrenzte Lagen innerhalb der Barolo-Herkunft, hunderteinundachtzig an der Zahl. Sie sagen aus, wo der Wein gewachsen ist, nicht wie gut er ist. Rechtlich bedeutet eine Lagenangabe keine höhere Qualität, und anders als in Burgund teilen sich fast immer mehrere Erzeuger dieselbe Lage.
Ist Dolcetto ein süßer Wein?
Nein, Dolcetto ist trocken. Der Name bedeutet Süßchen, bezieht sich aber nicht auf den Wein. Woher er kommt, ist unklar. Der Wein ist tiefdunkel, säureärmer als Barbera, mit spürbarem Tannin und einer bitteren Mandelnote im Abgang.
Wie lange kann man Barolo lagern?
Als Richtwert zehn bis zwanzig Jahre, in großen Jahrgängen und von guten Erzeugern auch dreißig und mehr. Weine aus Verduno und La Morra öffnen sich früher, die aus Serralunga d'Alba brauchen am längsten. Vor dem Verkauf hat ein Barolo ohnehin schon achtunddreißig Monate Reife hinter sich.
Weitere Herkünfte und Rebsorten stehen in der Übersicht zu italienischem Rotwein. Das Gegenstück aus Mittelitalien findest du bei Chianti und Rotwein aus der Toskana, alle Rotweine des Sortiments in der Rotwein-Übersicht.
