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Rotwein kaufen: erst den Stil, dann die Flasche
Rotweine unterscheiden sich vor allem in drei Punkten: wie viel Frucht du im Glas hast, wie kräftig das Tannin greift und wie schwer der Wein am Gaumen wirkt. Wenn du weißt, welche Richtung dir liegt, findest du in jeder Preisklasse etwas. Wer lieber eine Vorauswahl liest, findet sie in unserem Ratgeber beste Rotwein.
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Rotwein aussuchen: die Punkte, auf die es wirklich ankommt
Leicht, mittelkräftig oder kräftig
Der Körper ist die wichtigste Entscheidung, und sie hat wenig mit Qualität zu tun. Leichte Rotweine wie Spätburgunder, Schiava oder Gamay wirken saftig und beweglich, liegen meist zwischen 11,5 und 13 Prozent Alkohol und passen zu Geflügel, Pasta oder einem warmen Abend auf der Terrasse. In der Mitte stehen Merlot, Tempranillo und Lemberger. Kräftig wird es bei Primitivo, Zinfandel, Syrah, Malbec, Cabernet Sauvignon und den konzentrierten Süditalienern, die oft bei 14 Prozent und mehr liegen und dunkle Frucht, Würze und Wärme mitbringen. Im Filter findest du dafür die Punkte kräftig und konzentriert.
Tannin entscheidet, ob ein Rotwein weich oder griffig wirkt
Tannin kommt aus Schale, Kernen und Holzfass und legt sich pelzig auf Zunge und Zahnfleisch. Viel davon haben Nebbiolo, Cabernet Sauvignon, Tannat und junge Bordeaux, sie brauchen Zeit oder ein Stück Fleisch dazu. Wenig Tannin bringen Spätburgunder, Merlot, Schiava und die meisten Primitivi mit, die deshalb auch solo funktionieren. Wenn dir griffige Weine nicht liegen, achte auf die Sorte und auf einen weichen, fruchtbetonten Stil.
Trocken, halbtrocken, lieblich oder süß
Diese vier Begriffe sind gesetzlich an den Restzucker gebunden. Trocken heißt bis 4 Gramm pro Liter, bei entsprechend niedriger Säure bis 9 Gramm. Halbtrocken geht bis 12 Gramm, lieblich bis 45 Gramm, darüber beginnt süß. Die große Mehrheit der Rotweine ist trocken ausgebaut. Wer es eine Stufe weicher mag, findet das bei den halbtrockenen Rotweinen, und über den Geschmacks-Filter kommst du direkt zu lieblichen und süßen Rotweinen.
Mit Holz oder ohne
Ein Ausbau im Barrique bringt Aromen mit, die nicht aus der Traube kommen: Vanille, Kokos, Röstnoten, bei kräftigen Weinen auch eine Richtung dunkle Schokolade. Ohne Holz bleibt die Frucht klarer und direkter, Kirsche und Beere treten deutlicher hervor. Beides ist eine Stilentscheidung, kein Qualitätsmerkmal. Im Filter kannst du zwischen mit Holz und ohne Holz wählen.
Die Rebsorte sagt mehr als das Land
Ein Merlot aus Chile und ein Merlot aus dem Friaul haben mehr gemeinsam als zwei Weine aus derselben Region mit verschiedenen Sorten. Deshalb lohnt es sich, die Sorte als Einstieg zu nehmen. Cabernet Sauvignon ist kräftig und tanninbetont, mit schwarzer Johannisbeere und einer Note von Paprika. Merlot fällt weicher und fruchtbetonter aus, mit Pflaume und Kirsche. Spätburgunder ist hell und feinfruchtig, Syrah bringt dunkle Frucht und schwarzen Pfeffer, Tempranillo Leder und reife Kirsche, Sangiovese kräftige Säure und Sauerkirsche. Primitivo und Zinfandel sind dicht und fruchtsüß angelegt, Nebbiolo herb und langlebig, Dornfelder und Lemberger unkompliziert und dunkelfruchtig. Insgesamt kannst du im Rotwein-Sortiment nach mehr als hundert Sorten filtern.

Was die großen Herkunftsländer anders machen
Italien liefert die größte Bandbreite: Sangiovese aus der Toskana mit Kirsche und Kräutern, Nebbiolo aus dem Piemont mit viel Tannin, Primitivo und Negroamaro aus Apulien mit dunkler, fast kandierter Frucht. Spanien steht für Tempranillo aus Rioja und Ribera del Duero, meist mit Holzausbau. Frankreich bringt Bordeaux-Cuvées, Syrah und Grenache aus der Rhône und günstigere Cuvées aus dem Languedoc, dem größten Weinbaugebiet des Landes. Deutschland punktet mit Spätburgunder von der Ahr, aus Baden und der Pfalz sowie Lemberger aus Württemberg. Aus Übersee kommen Malbec aus Argentinien, Shiraz aus Australien und Cabernet aus Chile und Südafrika. Insgesamt findest du Rotwein aus 27 Ländern.
Was du für mehr Geld bekommst
Zwischen sechs und zehn Euro bekommst du saubere, klar gemachte Alltagsweine. Ab etwa zwölf Euro ändert sich, was dahintersteckt: kleinere Erntemengen pro Rebstock, Handlese, längere Reifezeit im Keller, oft ein Anteil Barrique. Das schmeckst du weniger an mehr Aroma als an Länge und Tiefe, der Wein hört nach dem Schluck nicht sofort auf. Der Preis allein sagt aber nichts. Ein Beispiel dafür ist der Anciens Temps Rouge, ein Cabernet-Syrah aus dem Languedoc, der aus der günstigsten Preisklasse kommt und trotzdem Dichte und Länge mitbringt. Bei uns findest du Rotweine in allen Preisklassen, vom unkomplizierten Alltagswein bis zur Flasche für den besonderen Abend.
Wenn Säure oder Alkohol ein Thema sind
Wenn dir säurebetonte Weine nicht liegen, sind reife Sorten aus warmen Lagen die richtige Richtung, etwa Primitivo, Monastrell oder Merlot aus Süditalien und Spanien. Wir haben die passenden Flaschen unter Rotwein mit wenig Säure zusammengestellt. Soll der Alkohol ganz raus, findest du das bei alkoholfreiem Rotwein.
Serviertemperatur und Dekantieren
Kräftige Rotweine zeigen sich bei 16 bis 18 Grad am besten, leichte bei 14 bis 16 Grad. Die viel zitierte Zimmertemperatur stammt aus Zeiten unbeheizter Räume und liegt deutlich unter dem, was ein heutiges Wohnzimmer hat. Zu warm serviert wirkt jeder Rotwein breit und der Alkohol drängt nach vorn, im Sommer darf er deshalb ruhig eine halbe Stunde in den Kühlschrank. Dekantieren lohnt bei jungen, tanninreichen Weinen, weil der Luftkontakt sie zugänglicher macht, eine halbe bis ganze Stunde reicht meist. Bei alten Flaschen geht es dagegen nur darum, den Wein vom Depot zu trennen.
Rotwein lagern und geöffnet aufbewahren
Zum Lagern sind dunkel, ruhig und eine gleichmäßige Temperatur zwischen 12 und 16 Grad ideal. Starke Schwankungen schaden mehr als ein paar Grad zu viel. Eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 75 Prozent hält den Korken elastisch, Korkflaschen lagerst du deshalb liegend, Schraubverschluss darf stehen. Eine geöffnete Flasche verschließt du wieder und stellst sie kühl, auch Rotwein gehört dann in den Kühlschrank. Vor dem nächsten Glas lässt du ihn einfach wieder auf Trinktemperatur kommen.
Wozu passt Rotwein?
Die Faustregel: je kräftiger der Wein, desto kräftiger darf das Essen sein. Zu Geflügel und Schwein passen leichte, fruchtige Rotweine wie Spätburgunder oder Merlot, die das zarte Fleisch nicht überdecken. Zu Rind und Lamm greifst du zu mittelkräftigen bis kräftigen Weinen wie Tempranillo, Syrah oder Cabernet Sauvignon. Zu Wild darf es richtig kräftig und würzig sein, etwa ein Wein aus der Rhône. Zu Pasta und Pizza mit Tomatensauce passen Sangiovese oder Primitivo. Und zu Fisch musst du nicht auf Rotwein verzichten, ein leicht gekühlter, tanninarmer Spätburgunder passt gut zu gegrilltem oder geräuchertem Fisch.
Wenn du einfach eine Empfehlung willst
Nicht jeder will filtern. Wenn du lieber eine Vorauswahl liest, statt selbst zu sortieren, findest du unsere Einordnung unter welches ist der beste Rotwein. Am meisten lernst du aber, indem du verschiedene Rebsorten nebeneinander probierst, dafür stellst du dir am besten eine gemischte Kiste zusammen. Wenn du auch helle und frische Weine magst, lohnt der Blick auf unsere Auswahl an Weißwein und Roséwein.
Häufige Fragen zu Rotwein
Welcher Rotwein ist kräftig und schwer?
Kräftig wird es bei Sorten aus warmen Regionen mit hohem Alkoholgehalt: Primitivo und Negroamaro aus Apulien, Zinfandel, Malbec aus Argentinien, Shiraz aus Australien, Cabernet Sauvignon und Monastrell. Sie liegen oft bei 14 Prozent und mehr, haben dunkle Frucht und Würze und wirken dadurch schwerer am Gaumen.
Welcher Rotwein ist mild, weich und samtig?
Weich wirken Rotweine mit reifem, wenig präsentem Tannin und runder Säure. Dazu gehören Merlot, Spätburgunder, Primitivo, Schiava und Appassimento-Weine, bei denen die Trauben angetrocknet werden. Ein Ausbau im Holz kann die Textur zusätzlich glätten.
Was bedeutet trocken beim Rotwein?
Trocken ist eine gesetzlich definierte Angabe zum Restzucker: bis 4 Gramm pro Liter, bei entsprechend niedriger Säure bis 9 Gramm. Trocken sagt nichts darüber, wie fruchtig ein Wein schmeckt. Ein trockener Primitivo kann deutlich fruchtiger wirken als ein halbtrockener Spätburgunder.
Welcher Rotwein hat wenig Säure?
Wenig Säure haben Sorten, die in warmen Lagen voll ausreifen: Primitivo, Negroamaro, Monastrell, Merlot und viele Weine aus Süditalien, Spanien und Portugal. Eine fertige Auswahl findest du bei Rotwein mit wenig Säure.
Bei welcher Temperatur trinkt man Rotwein?
Kräftige Rotweine bei 16 bis 18 Grad, leichte bei 14 bis 16 Grad. Zimmertemperatur im Sommer ist zu warm, dann wirkt der Wein breit und der Alkohol tritt hervor.
Sollte man Rotwein dekantieren?
Junge, kräftige Rotweine profitieren von etwas Luft, eine halbe bis ganze Stunde in der Karaffe macht harte Tannine weicher. Ältere Weine behandelt man besser vorsichtig, hier geht es nur darum, das Depot in der Flasche zu lassen.
Wie lange hält eine geöffnete Flasche Rotwein?
Verschlossen und kühl gestellt sind zwei bis vier Tage unproblematisch, kräftige tanninreiche Weine halten bis zu einer Woche. Je weniger Wein in der Flasche ist, desto schneller geht es, weil mehr Luft darin steht.
Welcher Rotwein passt zu Steak?
Kräftige, tanninreiche Weine wie Cabernet Sauvignon, Malbec oder Shiraz. Das Tannin kommt mit dem Fett im Fleisch gut zurecht.
Ist Rotwein vegan?
Nicht automatisch. Entscheidend ist das Schönen, also das Klären des Weins. Klassische Schönungsmittel wie Gelatine, Hausenblase, Eiweiß oder Kasein stammen vom Tier, pflanzliche Alternativen und Bentonit nicht. Im Filter kannst du gezielt auf vegan einschränken.
Gibt es Rotwein ohne Alkohol?
Ja. Alkoholfrei darf ein Wein heißen, wenn er unter 0,5 Volumenprozent liegt. Dafür wird zunächst normaler Wein erzeugt und der Alkohol anschließend wieder entzogen. Die Auswahl steht bei alkoholfreiem Rotwein.