Scheurebe Weine

Scheurebe kaufen
Scheurebe ist zur Hälfte Riesling und riecht trotzdem nach schwarzer Johannisbeere wie ein Sauvignon Blanc. Das ist kein Zufall, sondern dasselbe Aromamolekül. Damit ist sie einer der eigenwilligsten deutschen Weißweine.
Unten stehen die Weine, darunter erklären wir Geschmack, Restsüße, Herkunft und warum die Sorte volle Reife braucht.
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Scheurebe: Rebsorte, Geschmack und Herkunft
Was Scheurebe ist
Scheurebe ist eine deutsche Neuzüchtung, entstanden Anfang des vorigen Jahrhunderts in Alzey in Rheinhessen. Ihr Züchter Georg Scheu führte sie unter der Nummer Sämling 88, und diese Zuchtnummer ist bis heute ihr zweiter Name. Benannt wurde die Sorte erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach ihrem Züchter.
Jahrzehntelang galt sie als Kreuzung aus Riesling und Silvaner. Scheu selbst hatte sie so notiert. DNA-Analysen haben das korrigiert: Die Eltern sind Riesling und Bukettrebe. Kurios daran ist, dass der Silvaner trotzdem drinsteckt, nur eine Generation weiter hinten. Die Bukettrebe ist nämlich selbst eine Kreuzung aus Silvaner und Trollinger. Aus dem Elternteil ist also ein Großelternteil geworden.
Wie Scheurebe schmeckt
Das Leitaroma ist die schwarze Johannisbeere, oft auch Cassis genannt. Darum herum gruppieren sich Grapefruit, Mandarine, Mango und reife Birne, dazu ein muskatartiger Einschlag, den man bei kaum einer anderen deutschen Sorte findet.
Unter dieser dunklen Frucht liegt die Riesling-Hälfte: eine spürbare, rassige Säure und ein Bukett, das an Riesling erinnert, nur eben mit Johannisbeere darüber. Wer nur Riesling kennt, hält die Scheurebe beim ersten Schluck für etwas Ausländisches. Wer nur Sauvignon Blanc kennt, für einen sehr eigenen Sauvignon.
Warum sie nach Sauvignon Blanc riecht
Das ist keine Geschmackssache, sondern messbar. Die Aromaforschung hat für Sauvignon Blanc ein einzelnes Molekül als prägend identifiziert, ein sogenanntes Thiol, das für die Noten nach Johannisbeere und Buchsbaum verantwortlich ist. Kurz darauf zeigte eine zweite Arbeit, dass genau dieses Molekül auch die Scheurebe prägt und sie von anderen Bukettsorten unterscheidet. Zwei Rebsorten ohne jede Verwandtschaft, dasselbe Leitaroma. Wenn du Sauvignon Blanc magst und etwas Ähnliches aus deutschem Anbau suchst, ist die Scheurebe die naheliegendste Antwort.
Scheurebe ist eine sehr aromatische Rebsorte. (Dieses Bild wurde mit Liebe und KI erstellt.)
Trocken, feinherb oder edelsüß
Die Sorte kann alle drei Richtungen, und das ist ungewöhnlich. Lange war sie vor allem für restsüße und edelsüße Weine bekannt. Inzwischen konzentrieren sich gerade jüngere Winzer auf trockene Gutsweine, in denen die dunkle Frucht ohne Zuckerpolster steht.
Feinherb ist bei dieser Sorte besonders reizvoll, weil die rassige Säure ein paar Gramm Restzucker mühelos trägt. Und bei den edelsüßen Varianten spielt sie ganz oben mit: Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, in Österreich auch Stroh- und Schilfwein. Die Sorte ist botrytisanfällig, was im Weinberg ein Risiko ist. Wo Edelfäule sauber entsteht, wird daraus ein Vorteil. Solche Flaschen findest du unter süßer Weißwein.
Warum Scheurebe volle Reife braucht
Das ist der Punkt, an dem sich gute von schlechter Scheurebe trennt, und er erklärt auch, warum die Sorte nicht überall angebaut wird. Zu früh gelesen wirkt sie derb und aufdringlich, mit einer harten, dominanten Grapefruitnote. Erst mit voller physiologischer Reife kippt das Aroma in die dunkle Johannisbeerfrucht, für die man sie eigentlich trinkt. Dazu kommt ein hoher Lagenanspruch: Sie braucht dieselben guten Lagen wie Riesling. Beides zusammen heißt, dass eine billige Scheurebe selten eine gute ist. Bei dieser Sorte lohnt es sich, ein paar Euro mehr auszugeben.
Woher die Scheurebe kommt
In Deutschland stehen rund 1.500 Hektar, das ist gut ein Prozent der Rebfläche. Verteilt ist sie sehr ungleich:
- Rheinhessen: mit gut 700 Hektar rund die Hälfte der deutschen Fläche und damit die eigentliche Heimat. Hier wurde die Sorte auch gezüchtet.
- Pfalz: rund 330 Hektar, das zweitwichtigste Gebiet.
- Franken und Nahe: kleinere, aber ernst zu nehmende Bestände.
Die Fläche war einmal fast dreimal so groß. In den Achtzigern lag der Anteil an der deutschen Rebfläche bei gut vier Prozent, heute bei knapp anderthalb. In Österreich läuft dieselbe Sorte unter dem Zweitnamen Sämling 88 und ist vor allem in der Steiermark und im Burgenland zu Hause, auch dort mit kleiner werdender Fläche.
Was zu Scheurebe passt
Die Kombination aus kräftigem Bukett und rassiger Säure macht sie zum Spezialisten für alles, woran gewöhnliche Weißweine scheitern.
- Asiatische Küche: die Standardempfehlung des Deutschen Weininstituts für trockene und feinherbe Spätlesen. Ingwer, Zitronengras, Koriander und Chili treffen hier auf einen Wein, der dagegenhält.
- Würzige Ragouts von Fisch und Geflügel: ebenfalls ausdrücklich empfohlen. Je aromatischer die Sauce, desto besser.
- Fruchtige Desserts und Käse: die Domäne der edelsüßen Varianten.
- Solo: unterschätzt. Eine feinherbe Scheurebe ist einer der wenigen Weine, die ohne Essen nicht langweilig werden.
Wobei sie sich schwertut: bei sehr milden, cremigen Gerichten. Dort übertönt das Bukett das Essen, statt es zu begleiten.
Temperatur und Lagerung
Für leichte, trockene Weine empfehlen wir neun bis elf Grad, für gehaltvolle Spätlesen elf bis dreizehn. Zu kalt serviert verschwindet genau das Bukett, das die Sorte ausmacht, und übrig bleibt Säure. Gutsweine schmecken jung am besten. Gute Lagenweine und vor allem die edelsüßen Varianten gelten als langlebig und entwickeln mit Flaschenreife Noten von Pfirsich und Rosen.
Häufige Fragen zu Scheurebe
Wie schmeckt Scheurebe?
Nach schwarzer Johannisbeere, dazu Grapefruit, Mandarine und reife Birne mit einem muskatartigen Einschlag. Darunter liegt eine rassige Säure, die an Riesling erinnert. Die Sorte ist ausgesprochen aromatisch und nicht zu verwechseln.
Ist Scheurebe trocken oder süß?
Beides gibt es. Früher war sie vor allem für restsüße und edelsüße Weine bekannt, heute wird sie zunehmend trocken ausgebaut. Feinherb ist bei dieser Sorte besonders verbreitet, weil ihre Säure Restzucker gut trägt.
Ist Scheurebe ein Weißwein?
Ja, Scheurebe ist eine weiße Rebsorte und ergibt Weißwein. Sie ist eine deutsche Neuzüchtung aus Riesling und Bukettrebe.
Was ist der Unterschied zwischen Scheurebe und Sauvignon Blanc?
Beide werden von demselben Aromamolekül geprägt, deshalb die ähnliche Johannisbeernote. Verwandt sind sie nicht. Die Scheurebe ist zur Hälfte Riesling und bringt dessen Säure und Bukett mit, dazu einen muskatartigen Ton, den Sauvignon Blanc nicht hat.
Ist Scheurebe mit Riesling verwandt?
Ja, Riesling ist ein direkter Elternteil. Der zweite ist die Bukettrebe. Lange galt Silvaner als zweiter Elternteil, DNA-Analysen haben das widerlegt. Über die Bukettrebe ist der Silvaner allerdings als Großelternteil beteiligt.
Warum heißt sie Scheurebe?
Nach ihrem Züchter Georg Scheu, der sie in Alzey in Rheinhessen gezüchtet hat. Der Name wurde ihm zu Ehren erst nach dem Zweiten Weltkrieg vergeben.
Was ist Sämling 88?
Das ist die ursprüngliche Zuchtnummer der Scheurebe und zugleich ihr in Österreich zugelassener Zweitname. Auf österreichischen Etiketten steht deshalb oft Sämling 88, gemeint ist dieselbe Rebsorte.
Welches Essen passt zu Scheurebe?
Das Deutsche Weininstitut empfiehlt trockene bis halbtrockene Spätlesen zu aromatisch-würzigen Ragouts von Fisch und Geflügel sowie ausdrücklich zur asiatischen Küche. Edelsüße Varianten passen zu fruchtigen Desserts und zu Käse.
