Weingut Markus Molitor
Molitor Wein von Mosel und Saar: Riesling in weißer, grüner und goldener Kapsel
Markus Molitor übernahm den elterlichen Betrieb 1984 im Alter von zwanzig Jahren, mit rund drei Hektar. Heute bewirtschaftet er etwa 120 Hektar an Mosel und Saar, fast alles Steillage, alles Handlese. Woran du bei ihm erkennst, ob ein Wein trocken, feinherb oder süß ist, steht nicht im Kleingedruckten, sondern in der Farbe der Kapsel.
Weingut Markus Molitor: Mosel, Saar und ein eigenes System
Von drei Hektar auf rund 120
Der Betrieb sitzt am Klosterberg in Zeltingen-Rachtig, zwischen Wehlen und Zeltingen, und heißt nach seinem Gutsgebäude Haus Klosterberg. Als der Vater nach einem Unfall ausfiel, stieg Markus Molitor 1984 mit zwanzig Jahren ein und übernahm rund drei Hektar. Nach eigenen Angaben führt er das Gut in achter Generation.
Seither ist daraus ein Betrieb von etwa 120 Hektar geworden, verteilt auf gut 20 Einzellagen und mehr als 150 Parzellen. Rund drei Viertel liegen an der Mittelmosel, ein Viertel an der Saar. Damit gehört Molitor zu den größten Familienweingütern der Mosel, und zwar zu den wenigen, die trotz dieser Größe komplett in Steillage und komplett von Hand arbeiten.
Die Domäne Serrig an der Saar
An der Saar ist Molitor seit Anfang der Zweitausenderjahre aktiv. Der große Schritt kam im Oktober 2016 mit der Übernahme der ehemaligen Staatsdomäne Serrig: 22 Hektar zusammenhängende Rebfläche, angelegt 1904 vom preußischen Staat, eine der klassischen Saar-Adressen. Sie läuft weiter unter eigenem Namen als Domäne Serrig. An der Saar wachsen die Rieslinge langsamer und bleiben straffer als an der Mosel, das ist der Grund für dieses zweite Standbein.
Der Farbcode auf der Kapsel
Molitor verzichtet bewusst auf die amtlichen Geschmacksangaben und arbeitet stattdessen mit Kapselfarben. Die Begründung: Keine zwei Jahrgänge sind gleich, eine starre Angabe würde mehr verdecken als erklären.
- Weiße Kapsel: klassisch durchgegorene, also trockene Rieslinge.
- Grüne Kapsel: die feinherben Rieslinge. Der Grauton ist dem Schiefer nachempfunden.
- Goldene Kapsel: die frucht- und edelsüßen Rieslinge.
- Rote Kapsel: Spätburgunder.
- Gelbe Kapsel: die weißen Burgundersorten, also Weißburgunder und Chardonnay.
Auf dem Rückenetikett steht zusätzlich eine Geschmacksskala von trocken bis süß, auf der ein Kürzel markiert, wo das Weingut den Wein einordnet. Wer einmal verstanden hat, wie das System funktioniert, kann bei Molitor allein am Flaschenkopf erkennen, was ihn erwartet.
Warum es bei Molitor eine trockene Auslese gibt
Das ist der Punkt, an dem die meisten stolpern. Kabinett, Spätlese und Auslese sind im deutschen Weinrecht keine Süßegrade, sondern Reifegrade. Sie sagen ausschließlich, wie viel Zucker die Trauben bei der Lese im Most hatten. Was danach im Keller passiert, entscheidet der Winzer: Lässt er die Gärung durchlaufen, wird der Wein trocken und bekommt Körper und Alkohol. Stoppt er sie, bleibt Restsüße.
Molitor nutzt die Prädikate deshalb quer durch das ganze Sortiment, unabhängig vom Süßegrad. Eine Auslese mit weißer Kapsel ist bei ihm hochreif gelesenes Material, das vollständig durchgegoren ist: dicht, kraftvoll und trocken. Bis in die Achtzigerjahre war das an der Mosel üblich, heute macht es fast niemand mehr so. Drei Angaben, drei getrennte Achsen: Prädikat gleich Reife, Kapselfarbe gleich Süße, Sterne gleich Dichte.
Was die Sterne auf dem Etikett bedeuten
Ein, zwei oder drei Sterne hinter der Prädikatsbezeichnung stehen für zunehmende Konzentration und Dichte. Sie sind keine amtliche Kategorie, sondern eine Kellerentscheidung des Weinguts für das jeweilige Fass, und sie werden nicht in jedem Jahrgang vergeben. Drei Sterne bekommt nur, was Molitor selbst für das Äußerste hält, wozu ein Jahrgang fähig war. Genau diese Weine sind es, die international die Höchstnoten holen.
Die Lagen: Sonnenuhr, Domprobst, Prälat, Doctor
An der Mittelmosel bewirtschaftet Molitor die klassischen Namen: Wehlener Sonnenuhr, Zeltinger Sonnenuhr und Zeltinger Schlossberg, Graacher Domprobst und Himmelreich, Bernkasteler Badstube, Lay und Graben, dazu eine Parzelle im Bernkasteler Doctor, der kleinsten und teuersten Lage Deutschlands. Weiter flussabwärts kommen Ürziger Würzgarten und Erdener Prälat dazu, an der Saar Ockfener Bockstein, Saarburger Rausch und der Scharzhofberg.
Der Untergrund ist überall Devonschiefer, aber in verschiedenen Ausprägungen, und man schmeckt den Unterschied. Roter Schiefer im Erdener Prälat und im Ürziger Würzgarten gibt würzige, fast rauchige Weine mit exotischer Frucht. Grauer und blauer Schiefer in Wehlen, Graach und Zeltingen ergibt die kühlere, klarere Machart mit Zitrus und Kräutern. Die steilsten Parzellen haben über 60 Prozent Hangneigung, es geht dort nur zu Fuß. Ein Teil der Reben ist wurzelecht und über hundert Jahre alt.
Im Keller: Spontangärung, Fuder und langes Hefelager
Alle Weine vergären spontan mit den Hefen, die aus dem Weinberg mitkommen, ohne Reinzuchthefen und ohne Enzyme. Ausgebaut wird überwiegend in den traditionellen Holzfudern der Mosel, also großen Fässern zwischen tausend und dreitausend Litern, die dem Wein Sauerstoff geben, ohne ihn nach Holz schmecken zu lassen. Danach bleiben die Weine lange auf der Feinhefe liegen, in manchen Jahrgängen bis in den Spätsommer. Gelesen wird spät und in mehreren Durchgängen, mit Auslese Beere für Beere. Das erklärt sowohl die niedrigen Erträge als auch, warum diese Weine so lange halten.
Nicht nur Riesling
Rund 90 bis 95 Prozent der Fläche stehen im Riesling, das ist die Hauptsache. Der Rest ist aber kein Beiwerk: Der Spätburgunder aus dem Graacher Himmelreich wurde von VINUM mit 19,5 von 20 Punkten als bester deutscher Spätburgunder des Wettbewerbs bewertet, mit der Begründung, er zähle zum Feinsten, was in Deutschland je an Spätburgunder erzeugt wurde. Dazu kommen Weißburgunder, Chardonnay und Grauburgunder. Die Behauptung, Molitor mache ausschließlich Riesling, hält sich hartnäckig und stimmt nicht.
Kein VDP, sondern Bernkasteler Ring
Ein verbreiteter Irrtum: Markus Molitor ist nicht Mitglied im VDP. Der Grund ist inhaltlich und kein Zufall. Die VDP-Regeln lassen pro Großer Lage nur einen trockenen Spitzenwein zu. Molitor will von seinen besten Lagen aber mehrere trockene Interpretationen füllen, und genau darauf ist sein ganzes System aufgebaut. Er gehört stattdessen dem Bernkasteler Ring an, dem zweiten großen Erzeugerverband der Mosel.
Was die Kritik sagt
Der Durchbruch kam im März 2015, als der Wine Advocate gleich drei Weine des Jahrgangs 2013 mit der Höchstnote von 100 Punkten bewertete: die Auslese mit drei Sternen und goldener Kapsel aus der Wehlener Sonnenuhr, aus der Zeltinger Sonnenuhr und aus dem Ürziger Würzgarten. Verkoster war Stephan Reinhardt. Die Weine waren binnen kurzer Zeit vergriffen. Seither sind weitere Höchstnoten dazugekommen, unter anderem für den Jahrgang 2017.
Auch die deutschen Führer sind eindeutig: VINUM vergibt im Weinguide Deutschland die Höchstbewertung von fünf Sternen, Eichelmann zeichnete die Kollektion als beste Weißweinkollektion des Jahres aus, und bei der Falstaff Wein Trophy war Markus Molitor Winzer des Jahres.
Trinken, lagern, kombinieren
Die trockenen Rieslinge mit weißer Kapsel passen zu Fisch, Meeresfrüchten, Geflügel und allem, was mit Zitrone arbeitet. Die feinherben mit grüner Kapsel sind die dankbarsten Essensbegleiter überhaupt, weil ihre leichte Süße Schärfe abfängt: asiatische Küche, Curry, kräftiger Käse. Die goldene Kapsel gehört ans Ende des Essens oder zu Blauschimmelkäse, und ein edelsüßer Riesling ist für sich schon Dessert.
Serviert werden die Weine bei acht bis zehn Grad, die dichteren trockenen ruhig etwas wärmer. Und Geduld lohnt sich: Mosel-Riesling aus Steillage gehört zu den langlebigsten Weißweinen der Welt, gute Auslesen halten Jahrzehnte. Wer die Weine jung trinkt, sollte sie dekantieren oder ihnen im Glas Zeit geben. Mehr aus derselben Ecke findest du unter Wein aus Deutschland.
Molitor bei genuss7
Wir führen Rieslinge aus den Lagen an Mosel und Saar, in weißer, grüner und goldener Kapsel, dazu einzelne Abfüllungen mit Sternen. Bestellungen bis 16 Uhr gehen werktags am selben Tag mit DHL raus.
Häufige Fragen zum Weingut Markus Molitor
Was bedeuten die Kapselfarben bei Markus Molitor?
Weiß steht für trockene Rieslinge, Grün für feinherbe, Gold für frucht- und edelsüße. Dazu kommen Rot für Spätburgunder und Gelb für die weißen Burgundersorten. Das Weingut verzichtet damit bewusst auf die amtlichen Geschmacksangaben, weil sich kein Jahrgang wie der andere verhält.
Was bedeuten die Sterne auf dem Etikett?
Ein bis drei Sterne stehen für zunehmende Konzentration und Dichte. Sie sind keine amtliche Kategorie, sondern eine Entscheidung des Weinguts für das einzelne Fass, und werden nicht in jedem Jahrgang vergeben. Drei Sterne markieren die Spitze eines Jahrgangs.
Wie kann eine Auslese trocken sein?
Weil Kabinett, Spätlese und Auslese keine Süßegrade sind, sondern Reifegrade. Sie sagen nur, wie viel Zucker die Trauben bei der Lese hatten. Wird dieser Zucker vollständig vergoren, entsteht ein trockener Wein mit viel Körper. Genau das ist bei Molitor eine Auslese mit weißer Kapsel.
Wo liegt das Weingut Markus Molitor?
Am Klosterberg in Zeltingen-Rachtig an der Mittelmosel, zwischen Wehlen und Zeltingen. Viele Verzeichnisse führen noch Bernkastel-Wehlen als Adresse. Die Weinberge liegen an der Mittelmosel und an der Saar, dort gehört auch die frühere Staatsdomäne Serrig dazu.
Wie groß ist das Weingut Markus Molitor?
Rund 120 Hektar, verteilt auf gut 20 Einzellagen und mehr als 150 Parzellen. Etwa drei Viertel liegen an der Mittelmosel, ein Viertel an der Saar. Beim Einstieg 1984 waren es rund drei Hektar.
Ist Markus Molitor Mitglied im VDP?
Nein. Er gehört dem Bernkasteler Ring an. Der Grund für die Nicht-Mitgliedschaft ist sein eigenes System: Die VDP-Regeln lassen pro Großer Lage nur einen trockenen Spitzenwein zu, Molitor füllt von seinen besten Lagen mehrere trockene Varianten.
Macht Markus Molitor nur Riesling?
Nein, aber fast. Rund 90 bis 95 Prozent der Rebfläche stehen im Riesling. Daneben gibt es Spätburgunder, Weißburgunder, Chardonnay und Grauburgunder. Der Spätburgunder aus dem Graacher Himmelreich wurde von VINUM mit 19,5 von 20 Punkten als bester deutscher Spätburgunder des Wettbewerbs ausgezeichnet.
Welche Molitor-Weine haben 100 Parker-Punkte bekommen?
Erstmals im März 2015 gleich drei Weine des Jahrgangs 2013: die Riesling Auslese mit drei Sternen und goldener Kapsel aus der Wehlener Sonnenuhr, aus der Zeltinger Sonnenuhr und aus dem Ürziger Würzgarten, verkostet von Stephan Reinhardt für den Wine Advocate. Seither sind weitere Höchstnoten hinzugekommen.
Wie lange kann man Molitor-Rieslinge lagern?
Lange. Riesling aus Moselschiefer gehört zu den langlebigsten Weißweinen überhaupt, weil Säure und Extrakt ihn tragen. Einfachere Abfüllungen sind in den ersten Jahren am schönsten, Lagenweine und Auslesen halten Jahrzehnte. Gelagert wird kühl, dunkel und liegend.
