Frühburgunder kaufen

Frühburgunder kaufen: die frühe Mutation des Spätburgunders
Frühburgunder ist dieselbe Rebe wie der Spätburgunder, nur rund zwei Wochen früher reif. Das reicht für einen anderen Wein: dunkler, dichter, mit weniger Säure und einem samtigeren Mundgefühl. Wenn dir Spätburgunder oft zu schlank ist, fängst du hier an.
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Frühburgunder: Rebsorte, Geschmack und Herkunft
Was ein Frühburgunder ist
Aller Wahrscheinlichkeit nach eine natürliche Mutation des Spätburgunders, die irgendwann im Weinberg entstanden ist und seither eigenständig weitervermehrt wird. Genetisch trennt sie fast nichts von der Ausgangssorte. Lange war deshalb umstritten, ob sie überhaupt eine eigene Rebsorte ist, und die Frage gilt bis heute nicht als abschließend geklärt. Beim Bundessortenamt ist sie als Blauer Frühburgunder eigenständig eingetragen. Im Weinberg erkennst du sie an kleineren Trauben mit dickerer Beerenhaut.
Der Unterschied zwischen Frühburgunder und Spätburgunder
Der Name sagt das Wichtigste, aber nicht alles. Der Frühburgunder wird rund zwei Wochen vor dem Spätburgunder gelesen, und weil die Trauben früher reifen, bauen sie mehr Zucker und deutlich weniger Säure auf. Dazu kommen die kleineren Beeren mit der dickeren Haut. So kommt auf wenig Saft viel Schale, und in der Schale sitzt die Farbe. Am Ende steht ein dunklerer, dichterer Wein als ein Spätburgunder aus derselben Lage, dabei aber samtiger und weicher, weil ihm die kühle Säure fehlt. Ihm fehlt auch die feine Zeichnung, für die man den Spätburgunder trinkt. Ist dir der zu schlank, probier den hier. Trinkst du ihn wegen seiner Frische, bleib beim Spätburgunder.
Warum er fast verschwunden wäre
Die Sorte hat einen teuren Fehler. Sie verrieselt, es setzen also nicht alle Blüten Beeren an, und die Trauben bleiben ohnehin klein. Der Ertrag liegt damit deutlich unter dem des Spätburgunders und schwankt von Jahr zu Jahr. Dazu kam Virusbefall in den alten Beständen. In einer Zeit, in der Menge zählte, wurde sie deshalb fast überall gerodet. Vor gut fünfzig Jahren standen in ganz Deutschland noch etwa fünfzehn Hektar. Gerettet wurde sie von den Rebzüchtern in Geisenheim, die virusgetestete Klone aus dem Restbestand selektiert haben, und von einzelnen Winzern wie Julius Wasem in Ingelheim, nach dem bis heute ein Klon heißt.
Frühburgunder Wein (Dieses Bild wurde mit Liebe und KI erstellt.)
Wie er schmeckt
Als Sommerwein taugt er nicht, dafür ist er zu dicht. Im Glas findest du dunkle Kirsche und Brombeere, dazu Cassis, Mokka und oft eine rauchige Note. Das Tannin ist fein geschliffen, es zieht nicht zusammen. Weil die Säure niedrig liegt, wirkt der Wein wärmer und weicher als ein Spätburgunder. Junge Flaschen wirken oft verschlossen, mit ein paar Jahren öffnet sich das. Suchst du etwas Leichteres, schau ins übrige Rotwein-Sortiment.
Wo er wächst
Bundesweit stehen nur rund 220 Hektar, das sind etwa zwei Promille der deutschen Rebfläche. Die größte Fläche hat Rheinhessen, dann kommen Pfalz, Ahr, Nahe und Franken. Den Ruf der Sorte machen allerdings die Ahr und Franken, nicht die Statistik.
Die Ahr
Hier hat die Sorte überlebt. Auf den Steillagen der oberen Ahr um Altenahr, wo Schiefer und Sandstein den Boden machen, ist die frühe Reife ein Vorteil: Der Wein ist im Keller, bevor der nasse Herbst kommt, und Fäulnis ist dadurch selten ein Thema. Die Weine von dort fallen straffer aus als die aus Rheinhessen und der Pfalz, mit klarer Sauerkirsche und festem Bau. So schmeckt die Sorte an ihrem Heimatort.
Franken
Franken hat die Sorte nie aufgegeben. Rund um Bürgstadt am Untermain wächst sie auf verwittertem Buntsandstein, und die Weine fallen dort besonders dicht aus. Das sind die konzentriertesten deutschen Frühburgunder. Und die teuersten.
Rheinhessen und Württemberg
Rheinhessen hat heute die größte Fläche und war über Ingelheim an der Rettung der Sorte beteiligt. Auf Löss und Kalkmergel fällt sie weicher aus und ist zugänglicher. Damit fängst du am besten an, wenn du die Sorte noch nicht kennst. Württemberg hat sie nie ganz verloren, dort heißt sie traditionell Clevner.
Vorsicht mit dem Namen Clevner
Kaum ein Wort im deutschen Weinbau ist so überladen. In Württemberg meint Clevner den Frühburgunder. In Baden und in der Deutschschweiz steht Klevner für den Spätburgunder, in der badischen Ortenau für den Traminer, in Österreich für den Weißburgunder. Und im Elsass ist Klevner gar keine Sorte, sondern ein Sammelname auf dem Etikett für Weißburgunder, Auxerrois, Grauburgunder und weiß gekelterten Spätburgunder. Der Klevener de Heiligenstein ist noch einmal etwas anderes, nämlich Traminer. Nur in Württemberg ist wirklich der Frühburgunder gemeint.
Wie er sonst noch heißt
Auf Französisch heißt die Sorte Pinot Noir Précoce, wörtlich der frühe Pinot Noir. Auf alten deutschen Etiketten findest du Jakobstraube, Augustclevner oder Augusttraube. Alle drei Namen beziehen sich auf denselben Umstand: Sie ist schon reif, wenn andere Sorten noch hängen.
Was er kostet
Der Rebstock trägt weniger, die Arbeit im Weinberg bleibt dieselbe. Bei ein und demselben Weingut ist der Frühburgunder deshalb fast nie die günstigste Flasche. Er ist aber auch selten die teuerste, die großen Spätburgunder liegen meist darüber. Was ihn besonders macht, ist nicht der Preis, sondern dass ihn kaum jemand anbaut.
Servieren und lagern
Wir schenken ihn zwischen 16 und 18 Grad aus. Zu kalt wirkt er verschlossen und gibt seine Frucht nicht her. Eine junge Flasche profitiert von einer halben Stunde in der Karaffe. Der Keller lohnt sich hier wirklich: Gute Lagenweine, vor allem die im Holz ausgebauten, werden über Jahre besser, im Barrique auch mal über zehn. Einfachere Flaschen trinkst du in den ersten drei, vier Jahren.
Was dazu passt
Er verträgt kräftigeres Essen, weil ihm die spitze Säure fehlt. Wir trinken ihn zu Wild, zu geschmortem Rind, zu Lamm und zu kräftig gewürztem Geflügel. Pilzgerichte passen, wie bei allen Burgundern. Bei Käse geht auch gereifter Hartkäse. Zu Fisch bleibst du besser beim Spätburgunder, zum Sonntagsbraten nimmst du den hier.
Häufige Fragen zu Frühburgunder
Was ist ein Frühburgunder?
Eine Rebsorte, die aus dem Spätburgunder hervorgegangen ist und rund zwei Wochen früher reift. Beim Bundessortenamt steht sie als Blauer Frühburgunder.
Was ist der Unterschied zwischen Frühburgunder und Spätburgunder?
Der Frühburgunder hat kleinere Beeren mit dickerer Haut, dadurch kommt auf wenig Saft viel Schale. Das macht ihn dunkler und dichter, die Säure fällt niedriger aus und das Mundgefühl wird samtiger. Der Spätburgunder bleibt heller, frischer und feiner gezeichnet.
Ist Frühburgunder dasselbe wie Spätburgunder?
Nein. Verwandt bis kurz vors Identische, im Glas trotzdem klar zu unterscheiden. Wer beide nebeneinander probiert, verwechselt sie nicht.
Wie schmeckt Frühburgunder?
Dunkle Kirsche, Brombeere, Cassis, dazu Mokka und eine rauchige Note. Feines Tannin, wenig Säure. Bei 17 Grad serviert zeigt er sich am rundesten.
Wo wächst Frühburgunder?
Die größte Fläche steht in Rheinhessen, danach folgen Pfalz, Ahr, Nahe und Franken. Den Ruf der Sorte machen die Ahr und Franken.
Wie heißt Frühburgunder auf Französisch?
Pinot Noir Précoce, also der frühe Pinot Noir. Auf alten deutschen Etiketten steht auch Jakobstraube.
Warum ist Frühburgunder so selten?
In Deutschland stehen nur rund 220 Hektar, also etwa zwei Promille der Rebfläche. Vor gut fünfzig Jahren waren es noch fünfzehn Hektar, die Sorte stand kurz vor dem Verschwinden.
