Rotwein aus Sizilien, Nero d'Avola, Etna

Rotwein aus Sizilien
Sizilien hat eine der beiden größten Rebflächen Italiens und einen Stilwandel hinter sich, der die Insel vom Lieferanten für Verschnittwein zur Qualitätsregion gemacht hat. Die wichtigste rote Sorte heißt Nero d'Avola, die spannendste wächst am Ätna. Unter den Weinen erklären wir dir die Sorten, die Herkünfte und was es mit Marsala und den Süßweinen auf sich hat.
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Der fruchtige Sizilianer
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Sizilien als Weinregion
Je nach Erhebung liegt Sizilien bei der Rebfläche auf Platz eins oder zwei in Italien, bei der Produktionsmenge deutlich dahinter. Das sagt etwas über den Wandel der Insel: Die Fläche ist seit der Jahrtausendwende um rund ein Drittel geschrumpft, die Qualität dafür gestiegen. Jahrzehntelang ging sizilianischer Wein als Verschnittware nach Norden, weil er viel Alkohol und Farbe mitbrachte. Ab den Achtzigern stellten die ersten Erzeuger auf frischere, feinere Stilistik um, durchgesetzt hat sich der Wandel in den Neunzigern. Heute hat Sizilien die größte Bio-Rebfläche Italiens. Auf der Insel gibt es dreiundzwanzig DOC und eine einzige DOCG, das Cerasuolo di Vittoria. Die meisten Weine laufen unter der regionsweiten Sicilia DOC oder der Terre Siciliane IGT. Und ein weit verbreiteter Irrtum gleich vorweg: Sizilien ist von der Rebfläche her eine Weißweinregion, die meistangebaute Sorte ist der weiße Catarratto.
Nero d'Avola
Die wichtigste rote Sorte der Insel, benannt nach der Stadt Avola an der Südostküste. Ihr zweiter Name Calabrese führt vermutlich in die Irre. Die gängige Erklärung leitet ihn nicht von Kalabrien ab, sondern vom alten sizilianischen Calavrisi, Traube aus Avola. Sicher belegt ist das nicht. Im Glas ist Nero d'Avola tief rubinrot mit violetten Reflexen. Er riecht nach reifer Kirsche, Pflaume und Brombeere, dazu mediterrane Kräuter und Gewürze. Am Gaumen fällt neben der Frucht vor allem die lebendige Säure auf, die dem Wein Zug gibt und ihn lagerfähig macht, dazu ein reifes, ausgewogenes Tannin. Es gibt einen deutlichen Unterschied nach Herkunft: Aus dem Westen und der Inselmitte kommt er fruchtiger und wuchtiger, aus dem Südosten feiner, mit Trockenblumen und Würze. Als Sortenwein braucht er mindestens fünfundachtzig Prozent Nero d'Avola, die Riserva reift mindestens zwei Jahre. Beim Ausbau gehen die Erzeuger unterschiedliche Wege: ohne Holz bleibt die Frucht im Vordergrund, im Barrique kommen Vanille, Tabak und Leder dazu, und der Wein wirkt straffer. Wie lange er hält, entscheidet aber die Traube, nicht das Fass. Es gibt Nero d'Avola außerdem als Rosé und als Cuvée, häufig mit Merlot oder Syrah.
Der Ätna
Die Etna DOC ist die älteste der Insel, anerkannt Ende der Sechziger. Die Weinberge liegen zwischen zweihundert und elfhundert Metern auf vulkanischem Sand, Lapilli und Asche, praktisch ohne Kalk. Der Berg wirkt wie eine kühle Insel mitten im Mittelmeer: heiße Tage, kalte Nächte, Lese bis in den Oktober hinein. Deshalb behalten die Weine ihre Säure. Etna Rosso besteht zu mindestens achtzig Prozent aus Nerello Mascalese, dazu bis zu zwanzig Prozent Nerello Cappuccio. Nerello Mascalese ist hell in der Farbe, fein im Tannin und säurebetont, was der Sorte den Vergleich mit Burgund eingebracht hat. Das ist eine Journalistenformel, keine amtliche Einordnung, trifft die Machart aber gut. Nerello Cappuccio bringt weicheres Tannin und direktere Frucht dazu. Die Riserva reift mindestens vier Jahre, davon zwölf Monate im Holz. Etna Bianco besteht zu mindestens sechzig Prozent aus Carricante, dazu bis zu vierzig Prozent Catarratto. Der Etna Bianco Superiore aus Milo verlangt mindestens achtzig Prozent Carricante. Carricante hat eine außergewöhnlich hohe Säure und kann zehn bis fünfzehn Jahre reifen. Über hundertdreißig Kleinstlagen, die Contrade, dürfen aufs Etikett.
Cerasuolo di Vittoria, die einzige DOCG
Sizilien hat genau eine DOCG, und sie liegt im Südosten rund um Vittoria. Cerasuolo di Vittoria ist immer eine Cuvée: fünfzig bis siebzig Prozent Nero d'Avola, dreißig bis fünfzig Prozent Frappato. Der Name kommt von cerasa, dem Wort für Kirsche, und beschreibt die Farbe, ein helles Kirschrot, das mit der Reife ins Granatrote geht. Der Wein ist trocken, weich und harmonisch, mit deutlicher Kirschfrucht. Die Basis darf ab dem Juni nach der Ernte verkauft werden, das Classico aus der historischen Kernzone erst ab März des zweiten Jahres nach der Ernte.
Frappato und die selteneren roten Sorten
Frappato wächst im Südosten und ist seit dem achtzehnten Jahrhundert schriftlich belegt. Hell in der Farbe, mit intensiver roter Beerenfrucht, Blüten und Zitrus, dazu lebhafte Säure und zartes Tannin. Ein Roter, den du bei vierzehn bis sechzehn Grad trinkst, also spürbar gekühlt. Es gibt ihn sortenrein und als Partner im Cerasuolo.
Perricone aus dem Westen war fast verschwunden und kommt gerade zurück. Kräftiges Tannin, dunkle Frucht, Lakritz und Macchia, mit der Reife Leder und Tabak.
Nocera aus der Gegend um Messina ist noch seltener, mit lebhafter Säure und integriertem Tannin.
Nerello Cappuccio gibt es neben seiner Rolle am Ätna auch sortenrein: Kirsche, dunkle Beeren, Pfeffer, weiches Tannin.
Syrah, Merlot und Cabernet auf Sizilien
Die internationalen Sorten sind auf der Insel keine Randerscheinung. Syrah ist nach Nero d'Avola die zweitwichtigste rote Sorte Siziliens, deutlich vor Merlot und Cabernet Sauvignon. Alle drei sind in der Sicilia DOC als Sortenwein zugelassen und werden auch gern mit Nero d'Avola verschnitten. Das warme, trockene Klima passt dem Syrah gut, er bringt hier dunkle Frucht, Pfeffer und Würze bei viel Substanz.
Passito und Vendemmia tardiva
Aus angetrockneten Trauben zu keltern hat auf Sizilien Tradition, und beide Verfahren sind im Regelwerk verankert. Beim Passito trocknen die Trauben nach der Lese auf Matten, Gestellen oder in Kisten, teils auch noch am Stock. Bei der Vendemmia tardiva, der Spätlese, bleiben sie länger am Stock hängen. Beides gibt es unter anderem für Nero d'Avola und Syrah. Der Wein wird dadurch dichter, konzentrierter und höher im Alkohol. Wichtig für die Etikettensuche: Die gültigen Bezeichnungen lauten Passito und Vendemmia tardiva, das oft gelesene Appassite ist keine offizielle Kategorie.
Die Weißweine Siziliens
Deutlich mehr als die Hälfte der Produktion ist weiß, bei der Rebfläche sieht es ähnlich aus.
Catarratto ist die meistangebaute Sorte der Insel überhaupt und lange eine der Basissorten für Marsala. Strohgelb, mit Blüten, Zitrus, Pfirsich und Mandel, salzig und frisch.
Grillo stammt aus dem Westen und ist eine Kreuzung aus Catarratto und Zibibbo. Körperreich, gespannt, mit Zitrus, grünem Apfel und salziger Mineralität.
Inzolia, in der Toskana Ansonica genannt, bringt Mandel, weiße Blüten und Kräuter bei eher milder Säure.
Carricante vom Ätna ist der säurestärkste der Runde und der verlässlichste Kandidat fürs Reifen über zehn Jahre.
Zibibbo, andernorts Moscato di Alessandria, ist aromatisch: Rosine, Orangenblüte, Aprikose, Honig. Sein Zuhause ist Pantelleria.
Marsala
Der älteste Exportschlager der Insel ist ein Likörwein. Ein englischer Kaufmann brachte im achtzehnten Jahrhundert die Methode mit, den lokalen Wein für den Transport aufzuspriten, und begründete damit den Ruf Siziliens in Europa. Marsala kommt aus der Provinz Trapani und wird nach drei Merkmalen sortiert:
Nach Farbe: Oro ist goldgelb, Ambra bernsteinfarben, Rubino rubinrot und aus roten Sorten gemacht.
Nach Reife: Fine reift ein Jahr, Superiore zwei, Superiore Riserva vier, Vergine fünf und Vergine Stravecchio zehn Jahre.
Nach Süße: secco unter vierzig Gramm Restzucker je Liter, semisecco bis hundert, dolce darüber.
Beim Vergine sind Kochmost und Konzentrat ausdrücklich verboten, deshalb ist er praktisch immer trocken und die puristischste Variante. Geöffnet hält eine Flasche Marsala nach Handelserfahrung mehrere Monate, wenn du sie kühl, dunkel und gut verschlossen lagerst, ungeöffnet deutlich länger. Eine gesetzliche Vorgabe dazu gibt es nicht.
Die Süßweine der Inseln
Auf Pantelleria zwischen Sizilien und Tunesien steht praktisch nur Zibibbo, und die DOC lässt auch nichts anderes zu. Erzogen wird er in Buschform hinter Trockenmauern aus Vulkanstein. Diese Erziehungsform, der Alberello, ist von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, als weltweit erste landwirtschaftliche Praxis überhaupt. Der Moscato di Pantelleria muss auf mindestens fünfzehn Prozent Gesamtalkohol kommen, im Glas hat er meist um die zwölf. Der Passito di Pantelleria aus stärker getrockneten Trauben liegt bei mindestens zwanzig Prozent Gesamtalkohol, im Glas meist bei vierzehn bis fünfzehn. Von den Äolischen Inseln nördlich von Sizilien kommt die Malvasia delle Lipari, süß, aromatisch und samtig, aus Steillagen, die von Hand bewirtschaftet werden.
Was zur sizilianischen Küche passt
Zur Pasta alla Norma mit Aubergine und Ricotta salata gehört ein Etna Rosso, leicht gekühlt. Zur Caponata passt ein Rosé aus Nerello Mascalese oder eine Cuvée aus Syrah und Merlot besser als ein Weißwein, weil die süßsaure Sauce Struktur braucht. Zu Arancini funktioniert ein Perricone oder ein Rosé aus Nero d'Avola. Zu Sarde a beccafico greifst du zu einem kräftigen Weißen, Grillo oder ein im Holz ausgebauter Chardonnay. Zu Cannoli passt ein süßer Roter, etwa ein Nero d'Avola Vendemmia tardiva. Er darf ruhig süßer sein als die Füllung. Auffällig: Bei vier von fünf Klassikern der Insel steht kein Weißwein auf dem Tisch, sondern Rosé oder Rotwein.
Servieren und lagern
Nero d'Avola schmeckt bei sechzehn bis achtzehn Grad, Etna Rosso und Frappato deutlich kühler bei vierzehn bis sechzehn. Das ist kein Detail: Ein zu warm servierter Frappato verliert genau die Frische, für die man ihn kauft. Junge Weine brauchen keinen Dekanter, ein Nero d'Avola Riserva oder ein Etna Rosso Riserva gewinnt durch eine halbe Stunde Luft. Lagerfähig sind vor allem die Riserva-Qualitäten und der weiße Carricante vom Ätna. Frappato und die einfachen Sortenweine sind für die ersten Jahre gemacht.

Häufige Fragen zu Wein aus Sizilien
Welcher Rotwein kommt aus Sizilien?
Die wichtigste Sorte ist Nero d'Avola. Dazu kommen Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio vom Ätna, Frappato aus dem Südosten sowie die selteneren Sorten Perricone und Nocera. Auch Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon sind auf der Insel weit verbreitet, Syrah ist nach Nero d'Avola die zweitwichtigste rote Sorte.
Wie schmeckt Nero d'Avola?
Tief rubinrot, mit reifer Kirsche, Pflaume und Brombeere, dazu mediterrane Kräuter und Gewürze. Am Gaumen hat er eine lebendige Säure und ein reifes, ausgewogenes Tannin. Aus dem Westen der Insel fällt er wuchtiger aus, aus dem Südosten feiner und würziger. Er ist trocken ausgebaut.
Was ist die einzige DOCG Siziliens?
Cerasuolo di Vittoria aus dem Südosten der Insel. Er ist immer eine Cuvée aus fünfzig bis siebzig Prozent Nero d'Avola und dreißig bis fünfzig Prozent Frappato. Der Name kommt vom sizilianischen Wort für Kirsche und beschreibt die helle, kirschrote Farbe.
Was macht die Weine vom Ätna besonders?
Die Weinberge liegen zwischen zweihundert und elfhundert Metern auf vulkanischem Boden ohne Kalk. Heiße Tage und kalte Nächte halten die Säure hoch, gelesen wird bis in den Oktober. Etna Rosso aus Nerello Mascalese ist hell in der Farbe, fein im Tannin und säurebetont, weshalb er oft mit Burgunder verglichen wird. Über hundertdreißig Kleinstlagen dürfen namentlich aufs Etikett.
Gibt es süßen Wein aus Sizilien?
Ja, und zwar einige der bekanntesten Italiens. Marsala aus der Provinz Trapani gibt es von trocken bis süß. Vom Inselchen Pantelleria kommt der Passito di Pantelleria aus getrockneten Zibibbo-Trauben, im Glas meist vierzehn bis fünfzehn Prozent. Von den Äolischen Inseln stammt die Malvasia delle Lipari. Dazu kommen Passito und Vendemmia tardiva aus roten Sorten wie Nero d'Avola.
Was ist Marsala?
Ein Likörwein aus der Provinz Trapani im Westen Siziliens. Er wird nach Farbe sortiert in Oro, Ambra und Rubino, nach Reifezeit in Fine, Superiore, Superiore Riserva, Vergine und Vergine Stravecchio, und nach Restzucker in secco, semisecco und dolce. Beim Vergine sind Kochmost und Konzentrat verboten, er ist deshalb praktisch immer trocken.
Bei welcher Temperatur trinkt man sizilianischen Rotwein?
Nero d'Avola bei sechzehn bis achtzehn Grad. Etna Rosso und Frappato deutlich kühler, bei vierzehn bis sechzehn Grad, sonst verlieren sie ihre Frische. Junge Weine brauchen keinen Dekanter, die Riserva-Qualitäten gewinnen durch eine halbe Stunde Luft.
Welcher sizilianische Weißwein lohnt sich?
Catarratto ist die meistangebaute Sorte der Insel, salzig und frisch. Grillo hat mehr Körper und eine deutliche Mineralität. Carricante vom Ätna hat die höchste Säure und kann zehn Jahre und länger reifen. Zibibbo ist aromatisch, mit Orangenblüte und Aprikose.
Alle Weißweine des Sortiments stehen in der Weißwein-Übersicht. Sizilien ist die südlichste Weinregion Italiens, das nördliche Gegenstück findest du beim Wein aus Südtirol. Weitere Herkünfte und Rebsorten stehen in der Übersicht zu italienischem Rotwein, das ganze Sortiment in der Rotwein-Übersicht.